Pöbel & Gesocks Interview 13.06.2010

Pünktlich zum neuem Pöbel & Gesocks Album "Becks Pistols" unterhielt ich mich kurz und knapp mit Willi Wucher per Elektronischer Post, was Ihr hier nach Lesen könnt.

  

Moin Willi!
Nach 5 langen Jahren habt Ihr endlich das neue Album eingespielt, was kurz vor der Veröffentlichung steht.

Jepp, das war eine verdammt lange Zeit; und nun wurde es endlich wieder Zeit für ein volles, ganzes Album. Es gab von uns zwar zwischendurch stets diverse Samplerbeiträge (Chaostage-Soundtrack, Schlachtrufe BRD Teil 5359 (oder so), Pogo Partys & Promille Teil 2 etc.) - aber so ein richtig fettes, "ganzes" neues Album ist schon immer wieder ein Highlight im Leben alter Haudegen…

Am 19 Juni ist die offizielle Release Party in der Dortmunder Kaktusfarm. Sind da besondere Aktionen geplant?

Na ja, wir überlegen uns derzeit noch was. Genaues ist noch nicht geplant, aber irgendwas werden wir schon machen. Abwarten - und Bier trinken.

Ist man da als alter Rockstar noch nervös oder zieht man das locker, Routiniert und natürlich besoffen durch?

Wir sind keine "alten" Rockstars, sondern JUNG, FRISCH, UNVERBRAUCHT und AUFGESCHLOSSEN… Natürlich sind wir nicht nervös, denn das waren wir eigentlich noch nie - weil wir stets routiniert und besoffen auf der Bühne stehen. Da gibt sich eine Hand die andere, da greift ein Rad ins nächste - und die Kette wird nicht unterbrochen. Also so wäre die vereinfachte Antwort auf Deine Frage: Die jungen Rocker ziehen frisch und frei einen weiteren locker-routinierten Gig mit Alkohol im Schädel in Dortmund durch. Es wird dazu die eine oder andere Überraschung geben, denn es ist ja eine "Record Release Party" - und weil das etwas Besonderes ist, werden wir versuchen, etwas "Besonderes" mit ins Programm aufzunehmen. Hm. So oder so ähnlich, okay!?

Wie lange habt Ihr im Studio gebraucht um den kompletten Tonträger einzuspielen?

Wir waren fast 2 Jahre lang im Studio. Immer wieder mal an freien Wochenenden. Mitunter haben wir einen Song, manchmal auch 2 Songs eingespielt und dann auch direkt abgemischt. Das war ne schöne Zeit, immer am Samstag die Aufnahme (mit Saufen und Party) und Sonntags dann das (nervende) Abmischen (da haben dann nicht immer alle gesoffen) (ich aber schon)… Beim nächsten Album werden wir uns wohl aber wieder komplett für 2 Wochen in irgendeinem (guten) Studio einquartieren, von der Außenwelt abschotten und dann alles "am Stück" aufnehmen sowie auch anschließend abmischen. Da das kongeniale KS-Studio in Bottrop ja jetzt leider die Pforten für immer geschlossen hat (wir waren die letzte Band, die in diesem legendären Studio aufgenommen hat), wird es uns demnächst wohl wieder nach Braunschweig ins Whiteline Studio ziehen. Mal sehen, mal abwarten…

Standen Euch irgendwelche berühmte Gastmusiker/Innen tatkräftig zur Seite oder habt Ihr den Kram komplett alleine eingerotzt?

Da wir eine extrem kommunikative Partyband sind, haben wir natürlich auch sehr viel enge Freunde/Verwandte/Helfer und Mitstreiter, die uns tatkräftig unterstützten. Das waren nicht immer nur "berühmte Gastmusiker/innen", sondern auch "ganz normale" Leute aus unserem Freundeskreis/Umfeld.
So was wie "Berühmtheiten" haben uns aber natürlich auch geholfen, hier mal eine kleine Liste (ohne Anspruch auf Vollständigkeit): Japanische Kampfhörspiele (Chor), Bogo und CB von Cotzraiz (Chor), Philipp von Unkrauts bzw. Cotzraiz (Akkordeon), Hüsch von Atomspione bzw. Rüpels Royal (Chor), Andreas vom KS-Studio (Klavier), Frank Herbst von Crazy United (Chor) usw.
Das schöne ist / war: Es herrschte immer Party total, eine super Atmosphäre, Stimmung & Bier & gute Laune bei allen Anwesenden. Das war und ist der Kniff - denn ich denke, dass man das bei jedem unserer Songs auf dem neuen Album raushört.

Dann quasseln wir mal ein wenig über das neue Album Willi!
Wenn Ich ehrlich bin, habe ich mit einem Pöbel Album gerechnet, das einige Hits vorweisen kann, (wie in der Vergangenheit auch) aber das es mich so umhaut, hätte ich im Leben nicht gerechnet.

Es ist natürlich sehr, sehr löblich, das Du so ehrlich bist. Vielen Dank für diese netten Worte. Ehrlich gesagt sind wir alle ein wenig über unsere "musikalischen Künste" überrascht. Aber aufgrund der langen Zeit, aufgrund der vielen Proben, und last – not -     least natürlich auch aufgrund der vielen Konzerte in den letzten Jahren sind wir vier Bandmitglieder so dermaßen fest zusammengewachsen…, das ist schon quasi wie bei einem gut - eingespielten Fußballteam, in dem der Mittelfeldspieler genau weiß, wie und wo er den Ball hinspielen muss ("Steil! Geh Steil…!"), damit der Mittelstürmer ihn erwischt und versenkt. Tor! Das klingt jetzt vielleicht ein wenig "blumig" - iss aber so!

Bis auf die letzten beiden Songs, die meinen Musikalischen Geschmack nicht zu 100% treffen, sind alle anderen Songs Hits bis Hymnen, was ja schon fast beängstigend ist.

He he! Der vorletzte Song "Weltuntergang" entstand mit Inspirationen aus dem Hause Japanische Kampfhörspiele. Bei dieser Combo habe ich zwei Songs deren neuen Albums mit - eingesungen, und mich hatte irgendwie diese Power, dieses Tempo, dieses "Doom – Cross – Core - Metall" Gebolze beeindruckt. Das wollte ich auch haben! Also erhielt Gitarrist Trevor den Auftrag, einen "harten, sehr harten" Song zu komponieren; und Bassist Jennes wurde damit beauftragt, dazu einen Text mit viel "düster, Zerstörung, Grauen" etc. zu schreiben. Das haben wir umgesetzt - denn "nur Partysong" geht nicht auf einem ganzen Album. Der allerletzte Track "Alltagsschlacht" sollte so was wie eine Hymne gegen den ganzen Spießbürgerscheiß werden. Und das ist es auch geworden. Ich mag grad den "Alltagsschlacht"-Song so sehr wegen der außergewöhnlichen Gitarrenarbeit (darf man das als Punkrockband so schreiben) und vor allem auch wegen dem Text. Das ist 10-fach-besseres Onkelz - Niveau - und das sollte es auch sein!

 Verhält es sich bei Pöbel wie mit dem Wein? Je älter – desto besser?

Wein trinken geht gar nicht. Da kriegen Leute wie wir nur Sodbrennen von und die Brühe macht so müde…, also Nein! Lass mal - Wein geht gar nicht. Dann schon eher Champagner! Das prickelt… :-) Wir sind nicht alt! Wir sind nicht alt! Wir sind nicht alt! Wir sind höchsten reif und weise! Aber nicht alt! WIR SIND JUNG UND BRAUCHEN DAS GELD!!!!

Und zum ersten Mal ist mit „Guido (Ich Begreif Das Nicht)“ sogar ein „echter Politischer Song“ auf einem Pöbel Album, was bestimmt alle Kritiker überraschen dürfte, die Pöbel immer nur als „Ficken – Saufen – Oi!“ Kapelle abgestempelt haben.

Na ja, "politisch" bzw. zumindest "sozialkritisch" (und das ist dann auch übergreifend politisch, wie wir meinen) waren wir ja schon des öfteren. Abstempeln können und dürfen uns alle, die uns sowieso nicht mögen. Man kann es nicht jedem Recht machen, und das wollen wir ja auch gar nicht.

Alleine der Refrain „Ich begreif`das nicht, ich kann´s nicht verstehen! Einem Volk, das FDP wählt, kann es so schlecht gar nicht gehen.“ ist ganz großes Kino und bringt bestimmt nicht nur für mich die FDP auf den Punkt.

Jepp! Dabei ist der Text und die Message ja wohl absolut simpel und banal verfasst. Aber es trifft halt absolut den Nagel im Kopf. Diese Hohlpupen von der FDP (und allen voran "uns Guido") sorgen für die absolute soziale Schieflage in Deutschland - und trotzdem werden sie gewählt. Unbegreiflich, unfassbar - und schlicht und ergreifen "Ich begreif das nicht!"…

Wie kam es zu dieser Thematik? Warum gerade die FDP? Alle anderen Parteien sind ja auch Dreck und setzen sich nicht gerade für „uns“ einfache Malocher ein.

Na, ums mal so zu sagen: Bei der CDU weiß man wo man dran ist, die sind scheiße-konservativ, präsentieren eine Eule als Bundeskanzlerin und halten pseudo-mäßig irgendwelche "christlichen Werte" hoch (würg). Über die Frau Eule haben wir übrigens bereits vor ca. 4 Jahren einen Song veröffentlicht… "Du Arschloch" war unser Beitrag auf dem 2. Pogo Partys und Promille Sampler…
Die SPD ist augenscheinlich die Partei des kleinen Mannes, aber auch hier weiß man, das es sich um eine Klüngelpartei handelt, die zwar gerne toll-sozial tut, uns dafür aber diesen Dreck wie Hartz-4 eingebrockt hat.
Die Grünen… - naja, für uns Punks sind die auch nicht zwingend wählbar.
Dann hätten wir noch "Die Linke", die werden von Bildzeitung und ähnlichen CDU-Programmblättern gehasst und geschasst - das macht sie eigentlich ja schon sympatisch.
Man weiß also quasi bei allen Parteien, wo der Hase langläuft.
Aaaaaaaber bei der FDP ist eine Mogelpackung mit Lobiisten und sozialer Kälte zugange, und wenn man dann die Flitzpiepe Guido so hört, bleibt einer Band wie uns einfach nichts anderes übrig, als einen Song darüber zu verfassen.

Sehr aus der Seele gesprochen hat mir auch der Song „Die Kunst Ist Zu Schweigen“.
Wurde der Song aufgrund einer bestimmten Situation geschrieben oder bezieht er sich einfach nur auf das komplette Leben? Warum hat es satte 3 Jahre gedauert, bis dieser Text vertont wurde?

Wir haben den Song immer wieder so vor uns hergeschoben…, öfter mal "angeprobt" (oder wie soll man das nennen?), aber nie so richtig fertig gestellt. Aber wir wussten, das wir auch aus diesem Track was wirklich "fettes" machen werden…, und so entstand dann nach-und-nach ein guter Text und die gute Musik, bis wir uns selbst sagten "Fertig und Gut!". Wir sind bisweilen sehr selbstkritisch bezüglich neuer Songs, mitunter dauert es sehr lange, bis ein Song so klingt, wie wir das möchten. Den Text dazu hat hauptsächlich unser Bassist Jennes verfasst - nicht aufgrund einer bestimmten Situation, sondern wie von Dir vermutet aufgrund des "kompletten Lebens" mit manchen dummen Leuten.

Dumme Leute gibt es ja auch zuhauf in unserer „Szene“. Kannst Du Dich über manche Szene Geschichten / Kriege, die unter anderem auch deine Band betreffen könn(t)en, noch so richtig aufregen oder denkst Du „Leckt mich alle am Arsch“?

Größtenteils überwiegt das "Leck mich am Arsch", klaro.
Das ist bei mir wohl mittlerweile altersbedingt, schnief!
Wobei manche Menschen natürlich soooo doof sind, das man nur noch über ihr jämmerliches Dasein lachen kann. Wenn ich mir z.B. diese arme Hupe Mosh von Knock Out angucke und was der so alles ablässt, um seine letzten Zuckungen in die Szene zu setzen - das ist Slapstik pur und geht nur noch unter "unfreiwillig komisch" in die Analen ein. So einer wie er kann mich noch nicht mal mehr am Arsch lecken…

Inwiefern hast du denn Palaver mit K.O.Records?

Palaver" hab ich ja gar nicht mit ihm (Mosh, Knock Out Records).
Allerdings hat der Herr ein kleines grundlegendes Problem: Ihm schwimmen sämtliche Felle davon, sein "Laden" geht den Bach runter und er weiß gar nicht mehr, wie und wo er sich innerhalb der Szene positionieren soll. Immer mehr Geschäftspartner wenden sich ab von ihm; bekannte Bands produzieren ihre Alben lieber bei anderen Labels; und chinesische Sex Pistols Punkmusik muss auch nicht unbedingt jeder hören (denn das Original ist in jedem Fall stets besser und echter).
Aufgrund dieses "kleinen" Problems, dass Mosh seit längerer Zeit vor sich herschiebt, versucht er affige Schlammschlachten zu inzenieren; dies vor allem gegen konkurierende Labels & Mailorder. Im Zuge dessen hat er halt auch vesucht, uns ans Bein zu pissen; dies mit albernsten Methoden und gefakten bzw. uralten Fotos.
Dumm dabei ist nur, das sich kaum jemand mehr auf ihn bzw. auf seinen Schwachsinn einlässt.
Und deshalb halt die Zuordnung: Mosh = unfreiwillig komisch = Slapstik pur.
Wir reagieren auf sowas auf unsere eigene Art, ignorieren seine lächerlichen "Inszenierungen" und kommen vor Lachen nicht in den Schlaf…
Ich könnte natürlich unendlich viel über alte Mosh-Kellerleichen erzählen (ich kenn die Flitzpiepe schließlich schon mehr als 20 Jahre lang…) - da käme vor allem "politisch" so einiges ans Tageslicht, das so manche seiner (Noch-)Freunde wie ein Hammer vor den Kopf treffen würde… - aber warum sollte ich mich auf so ein Niveau begeben?
So, und nun genug zu diesem Thema. Ich hab hier schon viel zu viel über eine Person geschrieben, die es eigentlich gar nicht verdient hat, überhaupt (noch) erwähnt zu werden!

Recht hast Du! Kommen wir zurück zum Album. Kaum zu glauben, aber auf dem Album ist nicht einmal das Wort „Ficken“ zu hören. Seid Ihr Krank?

Wir sind natürlich nicht krank, sondern anspruchsvoll pervers (geworden). "Ficken" wurde auf den vorherigen Alben oft genug gesungen - auf "Beck´s Pistols" wurde es Zeit, auch mal andere (auch "ernste") Themen zu besingen. Und das schönste an allem ist ja, das in jedem unserer Songs ein Stück Wahrheit steckt.
Ich liebe es, hierfür Beispiele aufzuführen: "Du würdest gern auf Kokain - mit Amy Winehouse um die Häuser ziehn" (Keine Träume) / "Das Herz schlägt halt - so lang es schlägt" (Becks Pistols) / "Gabba Gabba Hey" (Ramones) / "Uns schmeckt Bier bereits am Morgen - Pils statt Frühstück kein Problem" (Wer nicht trinkt…) / "Unsere Bildung ist bescheiden - wir selber sind das nicht" (Küß die Hand)… - die Liste ließe sich unendlich fortführen.
Also: "Ficken" war gestern - und ist vielleicht auch "morgen" (beim nächsten Album) wieder angesagt… - bei "Beck´s Pistols" gibts diesmal ein etwas anderes Programm. Wohl gefällt´s…

Waren denn die Ramones für Dich wirklich eine soooooo große Band wie in dem Pöbel Song besungen?

Kurz und knapp: JA!!!
Außerdem "waren" sie es nicht nur… - sie sind es auch noch  heute!

Das ist ein schöner Abschluss und Ich sage mal, man sieht sich am 19 Juni in der Dortmunder Kaktusfarm zur Release Party.
Mit welchen Songs des „Becks Pistols“ Album kann man beim Auftritt rechnen?

Wir wissen selbst noch nicht, welches Programm wir für die Record Release Party in Dortmund zusammenstellen. Klaro spielen wir viele neue Tracks, denn das tun wir ja in letzter Zeit schon immer. Dazu zählen die Songs "Auf uns zwei", "Beck´s Pistols", "Guido!", "Die Kunst ist zu schweigen" und "Wer nicht trinkt". Es kommt aber auf jeden Fall noch was dazu. Plus natürlich die alten Evergreens… - quasi ein buntes Programm für Jung und Alt! Und man munkelt, dass es auch etwas Bier fürs Publikum gratis geben wird. Man munkelt…
Besten Dank fürs Interview, die Pöbel & Gesocks Bagage grüßt alle Crazy United Freaks und vor allem Frank H.
Mehr über uns bei www.poebel-und-gesocks.com oder www.myspace/poebelgesocks sowie www.punkzine.org/Poebel/poebelgesocks.html

November Palace Interview (08.05.2010)

Auf dem aktuellen „Finest Noise“ Sampler fiel mir die Band „November Palace“ auf,welche es schaffen,relativ einfachen,aber absolut eingängigen Punk Rock mit weiblichen Gesang zu zocken,der directly ins Ohr geht und einfach nur Spaß macht.Ein Grund für`s Crazy United,dem Quartett aus Hellhausen mal kurz auf den Zahn zu fühlen.

Auf der Suche nach einem Sänger für eure neue Band lief euch Sängerin "Promilla" über den Weg.Kanntet ihr euch schon vorher?Wie seid ihr "zusammengekommen"?

Promilla: Beim Kistenschleppen. Dr. Mosh und ich haben uns bei einem Umzug, bei dem wir beide mithalfen, kennengelernt und irgendwie kamen wir dann auf das Thema Musik und seine Band ohne Sänger. Dann hat er mir ne CD von den Donnas, die ich damals noch nicht kannte, in die Hand gedrückt, ob ich damit was anfangen könnte. Ich hab's mir angehört und dann kam eins zum anderen.

Denkt ihr das es für euch von Vorteil ist eine Sängerin und somit eine Art "Frauenbonus" zu haben oder ist euch das egal???Die männlichen Mitglieder stehen dann ja meist etwas abseits ;-)

Promilla: Ich hab eher das Gefühl, dass mancher Freund harter Gitarrenmusik  grundsätzlich erstmal skeptisch ist, wenn ne Frau hinter'm Mikro steht, weil der zum Beispiel das Bild eines laut schreienden und wild umher springenden Berserkers vor Augen hat. Dann freut es mich umso mehr, wenn nach der Show einer ankommt und sagt: Cool!

Dr.Mosh: Von einem „Frauenbonus“ habe ich auch noch nicht viel gemerkt, sondern ich krieg auch eher diese merkwürdigen Vorurteile mit, die Promilla beschreibt. Promilla ist in unserer Band, weil sie einfach saucoole Gesangsmelodien über die Gitarrenriffs zaubert - und nicht, weil wir eine weibliche Galionsfigur für die Band brauchen. Mit männlichem Gesang würde das Ganze sicherlich auch funktionieren, aber es hätte einen anderen Charakter. Promilla bringt einen besonderen Charme in die Musik, und das gefällt uns – nachdem wir in unseren früheren Bands immer nur Brüllaffen am Mikro hatten…;-)

Die von euch genannten Einflüße a la Jingo de Lunch,Donnas,Killer Barbies treffen euren Style ganz gut,wobei man in eurem Proberaum und auf euren Shirts ne Menge Hardcore Poster sehen kann.Von welchen Bands seid ihr maßgeblich beeinflußt und habt ihr euch vorher festgelegt in welche Richtung ihr mit "November Palace" gehen wollt?Zumal eure Mucke ja eher "positiv" klingt,was bei vielen Metal oder HC Bands ja nicht der Fall ist.Habt ihr so ne Art Message?Wie soll sich der Hörer nach euren Songs fühlen?

Promilla: Unsere Message ist ganz einfach: Habt Spaß,lasst uns ein Bier zusammen trinken und seid einfach Rock'n'Roll! Aber in unseren Texten geht es natürlich nicht nur darum, sondern auch um andere Dinge.

Dr.Mosh: Also, wir haben alle schon einen ähnlichen Musikgeschmack. Und das ist praktisch, wenn man auf der Autofahrt zu nem Konzert sich nicht streiten muss, welche CD wir in den CD-Player schmeissen… Ich persönlich finde Punkrock mit weiblichem Gesang zwar auch total cool, aber höre wie die anderen männlichen Bandmitglieder auch am liebsten Jungspunkrock: Sick of it All, Social Distortion, No Turning Back, Teamkiller, Broilers usw. Wir haben halt früher alle in diversen Hardcorebands gespielt und das merkt man unseren Songs auch an, glaube ich. Die Bones haben in einem Interview mal sehr bildlich gesagt, dass es bei ihnen im Proberaum ähnlich wie auf'm Klo sei: Man drückt einfach und irgendwann ist einem egal, was am Ende hinten rauskommt, Punkrock, Metal, Hardcore, egal, Hauptsache, es rockt! Mir jedenfalls gefällt dieses Bild :-)

Ihr habt nun drei neue Tracks aufgenommen,plant diverse Sampler Beiträge und eventuell eine Split CD.Habt ihr schon Pläne oder bzw.arbeitet ihr bereits an einer Full Length?

Promilla: Pläne haben wir viele… ;-) Als nächstes erscheint der NRW Allstars Sampler Vol. 2, auf dem wir vertreten sein werden. Das freut uns besonders, weil da ne DIY-Idee hintersteckt und viele tolle Bands dabei sind. Für uns ist aber vorrangiger, dass wir live spielen. Die drei Songs aufzunehmen, hat zwar auch total Spaß gemacht und man ist nachher stolz wie Oskar, aber da steckt ja auch ne Menge Arbeit drin. Das soll nicht heißen, dass wir faul sind (räusper), aber ne Full Length – da müsste man ja richtig proben vorher!

Dr.Mosh: Abgesehen davon sind wir alle - außer Promilla - auch schon jenseits der 30, da hat man natürlich andere „Verpflichtungen“ als nen Student mit 21 und muss gucken, dass man alles unter einen Hut kriegt. Dadurch dauern manche Dinge dann halt ein bisschen länger, aber irgendwann schaffen wir es bestimmt, ne Best of-CD aufzunehmen mit den besten 14 Songs von unseren insgesamt 15 Songs…

Bis zum jetztigen Zeitpunkt macht ihr viel auf DIY Basis.Habt ihr euch schon bei Lables beworben oder wollt ihr bewußt weiterhin DIY bleiben?

Dr.Mosh: Für mich ist dieses DIY-Ding unmittelbar mit dem Musikmachen verknüpft. Die Songs hat z.B. ein alter Kumpel von mir zusammen mit uns aufgenommen. Das war total super, mit ihm den Feinschliff der Songs zu machen. Auch unser Bandlogo hat nen Kumpel gemacht, und ein anderer ist grad dabei, einen Techno-Remix von einem unserer Songs zu machen. Das ist einfach etwas anderes, als wenn das Leute machen, zu denen man nicht so ein persönliches Verhältnis hat. Auch die meisten unserer Konzerte kommen so zustande, dass eine befreundete Band uns zu ihrem selbst organisiertem Konzert einlädt und wir sie dann zu unserem. Das bedeutet zwar im Vorfeld mehr Arbeit, aber dafür macht das Konzert doppelt soviel Spaß. Und darum geht’s ja schließlich.

Ihr kommt aus Hellhausen – Wo zur Hölle ist das denn?

Promilla: Hm, das musst du schon selbst herausfinden ;-) Wir wohnen in drei verschiedenen Städten und da haben wir uns einfach auf den Namen des Ortes, wo wir proben, geeinigt und ihn etwas abgeändert.

In eurem Bandinfo schreibt ihr coolerweise,das ihr es nicht nötig habt 2 Stunden Soundcheck zu machen,keine 100.000 Monitore braucht oder 50 Leute für die Gästeliste …Habt ihr schon öfter negative Erfahrungen mit sog."Headlinern" oder auch einfach nur möchtegern Rockstars gemacht?

Dr.Mosh: Ich organisiere seit Jahren – mal mehr, mal weniger intensiv – nebenher Konzerte, überwiegend mit regionalen Bands. Und da waren schon so einige Knalltüten dabei. Seitdem kann ich das Wort „Local Hero“ zum Beispiel auch nicht mehr hören, weil ich damit immer Bands verbinde, die meinen, sie wären die Kings und müssten den Rockstar raushängen lassen, aber es sowas von nicht sind. Die verwechseln Professionalität mit Profilneurose. Gleichzeitig lernt man auf Konzerten, die man organisiert oder wo man selbst spielt, auch Bands kennen, die ein paar Jahre später „groß“ geworden sind, aber total nett und unkompliziert waren und sind - die Donots fallen mir da immer als Paradebeispiel ein.

Marcel

www.myspace.com/novemberpalace

ROIMUNGSTRUPP

Tag Roimungstrupp und Glückwunsch zum Jubiläum…das feiert ihr ja gerade mit Eurem neuem Album "Dezennium" ganz gut ab…

Wie würdet Ihr die letzten 10 Jahre denn so auf einen Nenner bringen und beschreiben?

Stress, Frust, keine Ahnung von Musik, deprimierende Auftritte, endloses Proben, aber auch jede Menge Spaß, Suff, Party, Stolz auf unsere ersten Aufnahmen (auch wenn sie furchtbar waren), Freude über unser erstes "richtiges" Album, bessere Auftritte mit mehr Leuten, immer noch Stress und Frust hin und wieder, wachsende Bekanntheit, stetiges Ansteigen des musikalischen Könnens, Nutten, Koks, Weltherrschaft und Backstage-Gangbangs.
Okay, die letzten vier Punkte sind geschwindelt, bzw. noch Zukunftsmelodie ;-)
Aber wenn man 10 Jahre auf einen Nenner bringen wollte, müsste man einen Roman schreiben.

Gleich Euer erster Song vom neuen Album packt da so Einiges an, was ich mal als Licht und Schatten beschreiben würde, oder?

In der Tat geht es bei unserem Intro "ROIMUNGSTRUPP" in erster Linie um die Schattenseiten. Vielleicht ist das Wort "Schattenseiten" aber auch zu bedeutungsschwanger, da – wie wir ja singen – uns dieses dumme Gelaber, Gehetze und Genörgele eh am Arsch vorbei geht, bzw. wir damit gelernt haben, zu leben. Mittlerweile freut man sich sogar über die neuesten Pamphlete solcher Leute, da sie sehr berechenbar sind und es einen Heiden-Spaß macht, sich ihr Gejaule unter dem Aspekt einer komödiantischen Einlage anzuhören bzw. zu lesen. Vor allem wenn man bedenkt, dass sich diejenigen einbilden, wichtig zu sein, hihi! Man kann eigentlich schon immer voraus sagen, welcher Song-Text bei welchen Leuten zum Barrikadenbau und zu verbaler Inkontinenz führt.

Also "10 Jahre die gleiche Scheisse" oder eher "Anders"?

Beides. 10 Jahre lang "anders" zu sein, ist manchmal ziemlich "scheiße" ;-)
Ich könnte natürlich jetzt ausführlich davon schwafeln, dass es auf und ab geht, dass Freunde kommen, Freunde gehen, dass man als junge Band sowieso immer nur die komplett dichten Solo-Poger vor der Bühne hat, während der Rest des Publikums mit verschränkten Armen skeptisch dreinschaut und so weiter und so fort. Wer ein bisschen über unsere letzten 10 Jahre erfahren will, sollte einfach die Lieder von »Dezennium« hören. Da ist eigentlich alles drin, was uns bewegt hat und bewegt – mal offensichtlich, mal versteckt. Jeder von uns hat auch sein persönliches Lied darauf. Das von unserem Trommler Thomas ist offensichtlich. Die anderen beiden kann man nur zuordnen, wenn man uns persönlich kennt. Und es wird auch nicht verraten, welche es sind.

Ihr seid ne Band, die immer ihr Ding gemacht haben und das ohne Skandälchen oder Höhenflug in Originalbesetzung.
Sehr sympathisch, wie geht das? viele machen das ja anscheinend auch gerne um ins Gespräch zu kommen und Anti-PC Haltung, die einige Spasten auch gerne mit rechter Toleranz verwechseln ist ja wieder toll in Mode um den Rebellen zu spielen. Wie seht Ihr das?

Unsere Skandälchen dringen bloß nicht nach außen, hihi. Originalbesetzung ist auch nicht so ganz richtig, da der Peter so richtig erst seit Ende 2001 mitmacht. Aber eins kann man uns tatsächlich nicht vorwerfen, nämlich dass wir Höhenflüge haben. Warum auch? Erstens gibt es 1000 andere Bands, die besser sind als wir und zweitens würden wir dann auch nicht besser sein, als dieses Popstar-Viehzeug (KILL, KILL, KILL!). Wenn z. B. ich jemanden kennenlerne, ist das allerletzte, was ich erwähnen werde, dass ich 'ne Band habe, die ROIMUNGSTRUPP heißt. Das verfälscht die Ausgangssituation und man kann sich nie sicher sein, ob man dem Gegenüber sympathisch bzw. unsympathisch ist, nur weil man eben einer von ROIMUNGSTRUPP ist. Glücklicherweise sind wir auch nicht so bekannt und gehen mit Fotos relativ sparsam um, so dass uns selten mal einer – selbst auf Konzerten – erkennt. Manchmal kommt es zwar doch vor, aber die sind dann immer sehr erstaunt, dass man mit uns umgehen kann, wie mit jedem anderen Konzertbesucher oder sonstwem. Ich habe außerdem schon selbst erlebt, wie sogenannte Stars unserer Szene auf eine Sonderbehandlung pochen, aber da kann ich nur kopfschüttelnd mein Mitleid bekunden. Ich bzw. wir wählten nicht ohne Grund eine Subkultur als unsere Heimat aus. Einfach aus dem Grund, weil wir uns in dieser Welt, die mehr Schein als Sein ist, in der Trends wichtiger sind als ein Rückgrat und die in Klassen und Schichten eingeteilt ist, nicht wohl fühlen. Wenn wir uns als was besonderes aufspielen würden, wäre das die ultimative Kapitulation vor der Gesellschaft. An die Bands da draußen – und da gibt es einige – die was von Anti erzählen und mit dem einen Auge schon auf den Kommerz schielen, sei gesagt, dass sie sich getrost aus unserer Sezen verpissen können. Meiner Meinung nach sollte man von Musik auch nicht leben können/wollen. Working Class heißt, sich durch den harten Alltag zu beißen und die Erfahrungen, den Frust, der sich daraus ergibt für die Musik, die Botschaft zu nutzen. Wer von Musik lebt, entfernt sich von der Gefühls- und Gedankenwelt der Szene.
Zu diesem ach so rebellischen ANTI-PC-Quatsch kann ich bloß die Stirn runzeln. Ich brauche diesen "PC – Nein Danke"-Dreck nicht, um zu einem Schwarzen "Neger" sagen zu können, ohne dass ich ihn wegen seiner Hautfarbe lynchen will. Ich kann auch "Spasti" oder "Mongo" zu einem Behinderten sagen, ohne dass ich ihn euthanasieren will. Dummerweise wimmelt es bei den sogenannten ANTI-PClern nur so vor "Juden", "ZOG" und "Zecken" (Zecke = jeder, der bei Lunikoff 'nen Brechreiz bekommt). Fickt euch, ihr Pisser! Wir wollen euch nicht auf unseren Konzerten, wir wollen nicht von euch gehört werden und wir wollen auch keine Thor-Steinar-Klamotten auf irgendwelchen Festivals rumlaufen sehen. Und allen Bands, die sich in diesem Brackwasser bewegen, kann ich auch nur zurufen: Entscheidet euch! Entweder "für" oder "gegen" den Nazi-Müll! Es gibt kein "egal".

Da fällt mir ein, hier könnt ihr endlcih auch mal erklären warum ihr im Menfis seinerzeit aufgetreten seit…wird ja immer wieder gerne aufgewärmt das Thema, also roimt mal auf damit:

Ganz einfach: Für uns war nicht ersichtlich, dass es sich um einen "unpolitischen" Club handelt. 2005 gab es da noch keine Endstufe- oder Last Riot-Konzerte. Wir sind damals mit Riot Company und Schusterjungs aufgetreten und nichts sprach dagegen. Im Laufe des Abends, also nach dem Gig, als wir mit ein paar der Leute dort ins Gespräch gekommen sind, haben wir dann allerdings schon gemerkt, dass die da nicht ganz rund laufen. Und seltsam waren auch die "Punks" mit dem Mjölnir um den Hals. Als dann kaum noch Leute da waren, wollte so ein Pisser auch ständig die neue Lunikotze in der Anlage der Kneipe hören. Alles in allem Volk, mit dem wir nichts zu tun haben wollen. Allerdings weiß man sowas nicht, bevor man sich nicht selbst davon ein Bild gemacht hat. Und das haben wir an dem Abend. Davor war es für uns ein Konzertort unter vielen. Und wie gesagt, die natioanalen Bands traten erst ab 2006 vermehrt dort auf.

Neben einer stattlichen Fangemeinde, gibt es Euren Texten nach zu urteilen auch eine Menge Leute, die Euch scheinbar hassen, oder ist das nur Imagepflege als Underdog, denn die bisherigen Reviews Eurer Scheiben, die ich so mitgekriegt habe, waren durchweg positiv…von oi-hassern mal abgesehn?

Natürlich ist das reine Image-Pflege. In Wirklichkeit bekommen wir ständig Fan-Post und Geschenkkörbe. Auch alle Muttis in unserer Umgebung fordern ihre Kinder dazu auf, mit uns spielen zu gehen, weil es keinen besseren Umgang als uns gibt ;-)
Nein, Feinde haben wir genügend. A) weil wir 'ne große Klappe haben und B) weil wir halt klar Stellung beziehen und sowas polarisiert halt. Vielen hyper-intellektuellen Sitzpissern sind wir zu "pubertär", zu "Oi!" oder zu "negativ". Andere wiederum kommen mit uns als Personen nicht klar, weil wir zuweilen sehr anstrengend im Umgang sind und wieder andere finden einfach unseren Stilmix scheiße, weil sie entweder auf Metal-Oi! oder Rumpel-Ufta-Saufen-Oi! stehen. Wieviele von den durchweg positiven Reviews, die du ansprichst sind denn von unabhängigen Leuten geschrieben? Viele Reviews werden doch auch von denen geschrieben, die mit unserer Scheibe Geld verdienen wollen und schon deshalb nicht komplett vom Leder ziehen können. Ich weiß sogar definitiv von einigen Händlern bei denen in der Beschreibung die CD in höchsten Tönen gelobt wird, die uns aber scheiße finden, aber mit dem positiven "Review" die CD verkaufen wollen. That's business! Und auch nicht jeder der uns hasst, schreibt gleich ein Review. Man bekommt ja so einiges mit …

Interessiert Euch denn was die üblichen Provokateure, Spalter und Szenepriester so vom Stapel lassen und wie reagiert ihr darauf? Seit ihr selber z.B. im Internet oder Foren aktiv, wo es die meisten Auswüchse von anonymen Großmäulern gibt?

Klar interessiert uns das Gehetze. Einerseits wegen dem vorhin schon erwähnten Comedy-Faktor und andererseits, damit wir wissen wem wir auf die Fresse hauen müssen, falls er uns mal begegnet ;-)
Zum Thema Aktivität in Foren: Nö. Ich mag nicht mal Telefonieren, alles zu unpersönlich. Von Thomas glaube ich auch zu wissen, dass der kein Foren-Stratege ist und unser Peter hat seit einem Jahr seinen ersten PC und freut sich, dass er schon CDs brennen kann. Soviel dazu. Internet hat er nicht, hihi. Ehrlich gesagt, frage ich mich auch immer, wo man die Zeit dafür hernehmen soll? Mein Tag und der meiner Bandkollegen ist so rappelvoll, dass für solch einen Quatsch keine Zeit bleibt. Die neueste Hetze bekomme ich nur mit, weil ich öfter mal nach ROIMUNGSTRUPP google. Da tun sich dann die ganzen Abgründe der von Minderwertigkeitskomplexen gebeutelten Nerds auf.

10 Jahre lang die Originalbesetzung und 10 Jahre das gleiche Label. Ich hab mal irgendwo gelesen dass Ihr mit der ersten Scheibe von Pascal,KB-Records an Sunny Bastards empfohlen wurdet….Da seit ihr dann auch geblieben? Hat der sich nicht geärgert später?

Ich glaube schon, dass er sich ein wenig geärgert hat, aber er wollte halt damals nicht das Risiko mit uns eingehen. Christian von SB hingegen, war sofort Feuer und Flamme für uns und dabei ist es bis zum heutigen Tag geblieben. Wir haben ein freundschaftliches Verhältnis mit ihn, da er sich bei uns nicht lumpen lässt und uns, so gut es geht, unterstützt. Warum sollten wir also wechseln? Damit wir mehr verkaufen? Damit wir in dubiosen Versänden auftauchen? Wir haben echt keinen Grund dazu.

Naja so schlecht kann er Euch ja nicht gefunden haben sonst gäbs da von der ersten Platte kein Vinyl von ihm …    

Wir verstehen uns nach wie vor gut mit Pascal und da er aus irgendeinem Grund die »Melodien der Wut« im Nachhinein doch als unser bestes Werk erachtet hat und Christian kein Vinyl macht, waren wir uns schnell einig.

Kommen wir zu Eurer Musik…Wie kommt es eigentlich, dass ihr immer deutsche und englische Songs auf den Alben habt? 

Gegenfrage: Wie kommt es eigentlich, dass du in deinem Review zur »Dezennium« schreibst, dass englische Songs "nicht unsere Baustelle" sind? Einige unserer englischen Songs zählen zu unseren immer wieder auf Konzerten gewünschten Klassikern ("East German Fighting Force", "Back on the streets", "Carry on" etc.).
Der Grund, warum wir öfter auch in Englisch singen, ist der, dass bestimmte Songs einfach nur in dieser Sprache gut klingen. Man denke sich nur "Beat 'em where you meet 'em" auf Deutsch: "Schlagt sie, wo ihr sie trefft" … super, wie sich das reimt oder? Oder nehmen wir "Carry on": "Mach weiter, mach weiter" … das wäre sicherlich auch ein netter Song geworden, aber das Vers-Maß hätte nicht mehr gestimmt und man hättte eine andere Melodie nehmen müssen. Außerdem ist das ein kleiner Kompromiss zugunsten unserer ausländischen Hörerschaft (ja, die soll es tatsächlich geben). Wenn die Lieder bei mir im Kopf entstehen, werden meistens Melodie und Text als Zwillinge geboren, d. h. in dem Moment, wo ich eine Melodie im Kopf habe, steht schon fest, ob diese nur auf Englisch oder auf Deutsch zu realisieren ist.

Streetcore nennt Ihr das Ganze. Im Vergleich zu ner Band wie Toxpack,die den Begriff Streetcore zusammen mit anderen Berliner Bands ja auch sehr prägen, ist da aber schon ein musikalischer Unterschied, oder?

Es wäre vermessen, zu behaupten, wir haben den Begriff "Streetcore" für uns gepachtet. Toxpack, die ihre Musik auch Streetcore nennen, haben genau so das Recht dazu, wie wir. Vielleicht sehen sie unsere Musik ja gar nicht als Streetcore an. Vielleicht ist es ihnen auch völlig egal. Wir jedenfalls haben unsere Musik Streetcore genannt, weil wir uns sowohl typischer Hardcoreparts bedienen, als auch typischer Stilelemente des Streetpunks/Oi!. Daraus ergibt sich für uns der Begriff "Streetcore". Toxpack (andere Berliner Kapellen, die ihre Musik Streetcore nennen, sind mir nicht bekannt – es sei denn, du denkst dabei an den typischen Berliner Metal-Oi!) machen meiner Meinung nach keinen Streetcore, sondern setzen mehr oder weniger stilistisch den immer Metal-lastiger gewordenen Stil der Bierpatrioten fort. Aber das ist halt Ansichtssache und wir wollen auch nicht Toxpack vor den Karren kacken, da das echt korrekte Leute sind, aber dennoch finde ich, dass unsere Musik dem Begriff Streetcore näher kommt.

Bei euren Texten hat man fast den Eindruck dass ihr Misanthropen seid.
Nicht gerade ein positives Bild von der Gesellschaft hat man den Eindruck und ihr teilt gerne aus und rotzt ziemlich viel Verachtung und Anklage in Euren Texten raus?

Ja, richtig. Aber was ist daran jetzt die Frage? Ich für meinen Fall habe eine ziemlich fatalistische Sicht auf die Dinge. Ich sehe soviel Ungerechtigkeit, Betrug, Verrat, Menschen ohne Rückgrat und ich werde das Gefühl nicht los, dass dieses Volk immer mehr verdummt. Der Grund ist wie immer Geld und Macht. Und genau da muss man auch nach den Schuldigen suchen. Nicht der böse Asylant nimmt uns die Arbeit weg, nicht der "Zionist" zieht im Hintergrund die Fäden, nicht der kleine Drogendealer kostet den Staat Milliarden, nichtmal der Hartz-IV-Punker ist der Grund für den gesellschaftlichen Niedergang. Die fetten Vorstände, "Berater", Manager, all das Bonzenpack, dass sich von früh bis spät die Taschen voll stopft, die "Volksvertreter", die 1.000 Nebenjobs bei der Industrie haben, die sollten im Knast sitzen oder an der Laterne baumeln. Aber solange dieses Scheiß-Volk hier schön dumm gehalten wird, glaubt es weiterhin, was die BILD schreibt und sucht die Schuldigen in den eigenen Reihen. Wer sein knappes Geld für Bücher von Dieter Bohlen und anderen Luftpumpen ausgibt, ist definitv NICHT an der Wahrheit interessiert. Und so glauben alle fleißig weiter, dass das Merkel "einen guten Job macht" und dass das schon seine Gründe haben wird, wenn Kinder hungrig zur Schule gehen, junge Mütter ihre Babys tiefkühlen und der normale Angestellte trotz Überstunden nicht von seinem Gehalt leben kann. Wenn das größte Exportgut dieses Landes diese senile Mumie names Papst, Chef eines Kinderficker-Vereins mit mittelalterlichen Ansichten ist und dieser psychopathische Rollstuhlfahrer Schäuble seines Lieblingsroman "1984" verwirklichen will – da soll man keine Wut bekommen?

Ich weiß Du teilst genauso wie ich die Vaterfreuden und -Leiden. Wie erzieht man denn seine Kinder, wenn man selbst "den Glauben an eine Zukunft für seine Kinder verloren hat" wie Ihr im Song "Glauben" besingt?

Ganz einfach: Man gibt ihnen das Höchstmaß an Liebe und Aufmerksamkeit. Versucht stets und ständig ihren Horizont zu erweitern, ihnen Wissen zu vermitteln und vor allem Selbstachtung. Das mache ich aber nicht aus der Überzeugung heraus, dass meine Kinder dann Karriere machen können und noch ein großes Stück vom Kuchen abbekommen, sondern weil es kein Kind, egal wo es geboren wurde oder wo es lebt, verdient hat, den Eindruck vermittelt zu bekommen, dass es eine Last ist, ein Störenfried oder ein notwendiges Übel. Wenn es mit 5 Jahren die erste Playstation hat, damit es gar nicht auf die Idee kommt, sich mit seiner Umwelt auseinanderzusetzen und Fragen zu stellen, wenn es niemals Lob und Motivation erfährt, dann ist meiner Meinung nach ein Leben verschenkt und man hinterlässt eine verkümmerte Persönlichkeit. Vielleicht kann man ja mit der richtigen Erziehung, dem Anspornen zum kritischen Denken und dem Fördern des gesunden Menschenverstandes eine neue Generation "züchten", die ein Land schaffen wird, in dem Kinder wieder als das gelten, was sie sind: Das wertvollste und wichtigste, was ein Volk besitzt.
Darüber hinaus lasse ich meine finstere Sicht auf die Dinge nicht an meine Kinder heran und halte sie möglichst fern von den Krankheitserscheinungen dieser Gesellschaft. Ich kann wohl unterscheiden, ob ich ein 7-jähriges Mädchen vor mir habe oder einen Pubertierenden, der eh alles in Frage stellt und nach Antworten sucht oder ob es ein Erwachsener ist, der in der Lage ist, meine Texte voll und ganz nachzuvollziehen. Ein kleines Mädchen (ich habe 2 Töchter, 7 und 1) möchte noch ein Prinzesschen sein und keine verbitterte, desillusionierte Kriegerin. Und man muss ihnen diesen kürzesten und doch wichtigsten Teil im Leben eines Menschen – die Kindheit – gönnen.

Eine gewisse Ausweglosigkeit ist beim Thema Arbeitslosigkeit immer wieder in Euren Liedern zu finden. Wie siehts da bei Euch selber mittlerweile aus? Ihr lebt ja weiterhin in Eisenhüttenstadt, oder? (Die Stadt mit der höchsten Arbeitslosigkeit, wenn ich mich irre…)

Ich bin aus Arbeitsgründen nach Berlin geflohen (nur noch am Wochenende in Hütte und Umgebung), Thomas hilft seiner Freundin Maria sozusagen freiberuflich bei ihrem Label Steeltown Records und Peter ist seit kurzem wieder als Maler bei einer Eisenhüttenstädter Firma tätig. Dass Eisenhüttenstadt die höchste Arbeitslosigkeit hat, musst du wohl falsch verstanden haben. Wir waren die ärmste Stadt Deutschlands. Ich glaube, mittlerweile hat Berlin die Pole Position inne. Die Arbeitslosenzahlen sinken in Hütte, da wir eine neue Papierfabrik (die größte für Wellpappe in Deutschland) und eine Solar-Fabrik bekommen haben. Von dem Standpunkt her, sieht es langsam besser aus bei uns.

Das ihr auch lustige Texte machen könnt, hab ich zum ersten Mal beim Tribute to Bud Spencer Sampler mitgekriegt mit dem für Euch eher untypischen Coversong "Mein Trabi"….?

Wie bitte? "Ronny Gander" war doch auch schon fast lustig ;-) Ja, wir können auch lustig, aber um mehr davon auf unsere Alben zu packen, ist einfach die Zeit und das Geld zu schade. Ich habe immer das Gefühl, dass man mit einem Fun-Song, der kaum Spuren im Kopf hinterlässt, den Platz raubt für einen Song, der eine für mich wichtige Botschaft transportieren könnte. Es gibt für mich nur eine Spaß-Kapelle, die das schon immer machen und die damit eigentlich den kompletten Bedarf abdecken: Die Kassierer. Die sind genial (Wölfi ist im Übrigen auch ein äußerst sympathischer Typ und nicht halbso pervers wie in seinen Liedern) und reichen vollkommen aus. Ich brauche nicht die ganzen Suff-Fun-Party-Bands, die sich krampfhaft bemühen, sich gegenseitig im Niveau zu unterbieten. Ab und zu mal lustig ist gut. Ansonsten WUT, HASS und VERACHTUNG, grrrr!!!

Gut Lachen mußte ich auch bei dem Song "Super-Skinhead", da fallen einen auf Anhieb so einige Bezirksverwalter des wahren Skinheadtums ein…
Ich bezweifel nur dass gerade jene sich angesprochen fühlen werden…Gabs denn schon Reaktionen auf den Song und faßt doch mal zusammen was für Euch der "Super-Skinhead" ist?

In freudiger Erwartung auf die ersten Beschimpfungen und vor allem Missverständnisse wurden wir tatsächlich enttäuscht. Bisher hat sich keiner uns gegenüber aufgeregt oder das Lied missverstanden. Die paar Reaktionen dazu waren durchweg so, wie es gedacht war. Es ist keine Abrechnung mit dem Skinhead-Kult, sondern ein Spiegel vor dem Gesicht derjenigen, die sich einbilden den einzig wahren Way of life für sich gepachtet zu haben. Die andere belächeln, weil sie weniger Tattoos haben, weil sie Ranger-Boots statt Martens tragen, weil sie gerade keine Hosenträger dabei haben oder weil sie die Band, die man als Skinhead doch unbedingt kennen muss, zufälligerweise eben nicht kennen bzw. keine original-signierte und trockengefurzte auf 10 Stück limitierte Erstpressung ihres ersten Albums haben u. s. w.
Wie du ja schon selbst angemerkt hast, werden sich diejenigen, die gemeint sind, eh nicht angesprochen fühlen, da sie ja über den Dingen stehen und so von sich überzeugt sind, dass sie Kritik-resistent sind. Diese Leute schwelgen in dem, was sie in den Büchern von Farin gelesen haben, träumen von dem ultimativen Bilderbuch-Skinhead, der genau die richtigen Klamotten trägt, der jeden mit langen Haaren durch sein Viertel jagen möchte und auch schonmal ganz keck an die Tür der Polizeiwache "A.C.A.B." sprüht. Dass sich die Zeiten, die Lebensumstände und auch die Gesellschaft stetig verändern und dem zufolge auch eine Subkultur Veränderungen erfährt, davon wollen sie nichts wissen und leben lieber in ihrer eigenen Welt, in der sie selbst die größte Respektsperson ihrer Stadt bzw. ihres Dorfes sind. Traurig, aber wahr.

Wirds von dem neuen Album auch wieder Vinyl geben wie bei "Anders"?
Wieder von Steeltown Records (das Label vom Roimungstrupp-Mitglied Thomas)?

Um das richtig zu stellen: Steeltown Records gehört nicht Thomas, sondern seiner Freundin Maria (ähnlich wie bei Christian + Sunny). Er ist durch seine Kontakte zu anderen Bands halt der, der im Vordergrund agiert und logischerweise seine Freundin bei der Labelarbeit unterstützt. Und ja, es wird schon Ende 2008 mit einer Vinylfassung der »Dezennium« auf STR zu rechnen sein. Sogar mit einer kleinen Überraschung, wenn alles klappt.

Apropos Zukunft: Ihr macht Euch an der Konzertfront leider ein bißchen rar im Westen. Kein Bock, keine Angebote? Wird mal Zeit, oder?

Das liegt daran, dass Wessis für uns Menschen zweiter Klasse sind und wir nur ungern unsere musikalischen Perlen vor diese Säue werfen würden ;-) Nein, Quatsch – wir haben weder eine West-Phobie, noch zu wenig Angebote. Das Problem ist das liebe Geld. Für die Strecke von uns bis in den Pott und zurück fallen schon alleine knapp 350,- € Spritkosten an und bis jetzt haben wir kaum einen Veranstalter gefunden, der das bezahlen will oder kann. Am spendabelsten waren bis jetzt die Schweizer gewesen. Wir wollen echt nicht wuchern, aber wer mal einen Blick auf die Zapfsäulen wirft, versteht das. Und draufzahlen wollen wir nicht mehr. Das haben wir jahrelang gemacht, nur um mal irgendwo spielen zu können. Da sind wir dann schonmal für 50 € satte 300 km gekutscht und haben dementsprechend drauf bezahlt. Das wollen und können wir nicht mehr. Nicht nach 10 Jahren.

Und sonst: Wie gehts weiter? Nochmal 10 Jahre, letzte Worte, etc?

Nochmal 10 Jahre? Wir sind doch die 1000-jährige Band! Also haben wir noch 2 Jahre (wer diesen Witz verstanden hat, darf sich einen Keks nehmen). Vielleicht als letzte Worte noch das hier:
Danke an unsere Freunde, Frauen, Kinder, Fans, Hunde, Katzen, Labels, Brauereien, Porno-Darsteller und alle anderen, die uns das Leben verschönern und ein wenig von der Bitterkeit dieser Welt nehmen! Mal sehen wie es mit uns weitergeht, Ideen sind genug da, aber die Zeit wird immer knapper.

Dank Euch fürs Inti

NONSTOP STEREO

 

Schönen Guten Tag Herr Ludes!
Erzähle doch der CRAZY UNITED Leserschaft mal wie es zur Combo „Nonstop Stereo“ gekommen ist. Hast du lange gebraucht um nach den BASH Split neue Leute zu finden?
War es für dich sofort klar, das du weiter Musik machst oder hattest du auch mal mit dem Gedanke gespielt, komplett aufzuhören oder eine längere Pause einzulegen?
 

Guten Tag liebe Crazy United Gemeinde!Es gab zu der Zeit als wir erstmalig mit Nonstop Stereo geprobt haben (2004), einen längeren Stillstand bei Bash! Wir hatten sowohl Probleme mit der Besetzung, als auch verschiedene Meinungen wie es in Musikalischer Hinsicht weitergehen soll. Mike (Drums) und Lupo (Bass) hatten Vorstellungen die weiterhin in Richtung Clockwork Orange verbunden mit englischen Texten gingen und mir lagen halt eher die deutschen Texte. Und mit Clockwork hatte ich halt wie viel an der Mütze. Ich hatte noch einige Ideen für Songs im Petto die bei Bash! sicherlich durchgefallen wären oder auch schon durchgefallen sind.  Somit fingen wir mit Nonstop Stereo sozusagen parallel zu Bash! an. Also kam der Split erst, als oder eher weil es Nonstop Stereo schon gab und ich auch schon neue Leute gefunden hatte.Mike hatte dann die Idee, ebenfalls eine „eigene“ Band ins leben zu rufen und um seine Vorstellungen verwirklichen zu können. Das hieß für Bash! , dass die Band auf Eis gelegt wurde. Jedenfalls haben wir uns darauf geeinigt. Ich hatte niemals vor, eine Pause einzulegen! Ganz im Gegenteil denn es juckte mir schon lange in den Fingern, da wir mit Bash! wie schon erwähnt längere Zeit nichts Erwähnenswertes zustande gebracht hatten. 

Wie hatten die anderen BASH Mitglieder die Auflösung der Band aufgenommen? 

Der Vorschlag als solcher kam von Mike, weil er wie gesagt ja vorhatte ebenfalls eine neue Band zu gründen. Ich war erst mal ziemlich baff, denn das wollte ich mit der Gründung von Nonstop Stereo nicht bezwecken. Aber ich habe dann halt mit Nonstop Stereo Gas gegeben. Eigentlich war ja der Plan hin und wieder mal was zusammen zu machen und dann zu gucken was wird. Aber aufgrund der Auflösung konnten wir dann ja mehr Zeit für die Band investieren. Wenn ich mich nicht irre, war es für Lupo am schlimmsten. Einen 4 Mann hatten wir zu dem Zeitpunkt nicht. 

Und warum hast du Lupo nicht mit in die neue Band gebeamt? 

Naja, wie gesagt haben wir mit Nonstop Stereo angefangen als es Bash! ja eigentlich noch gab. Und bis dato war ja noch kein Wort über die Auflösung gefallen. Das kam erst nach oder durch die Gründung von Nonstop Stereo. Da hatte der Sascha schon seinen festen Platz in der Band.Ich fand es außerdem auch interessant, mal mit einer komplett neuen Truppe zu Proben.Lupo spielt jetzt bei Eidesstaat den Bass und da ist er sehr glücklich mit.
 

Dann stelle mir doch mal bitte deine Bandmitglieder vor. Haben die schon vor NS Musik gemacht? 

Da wären der Sascha am Bass und Mario am Schlagzeug. Beide haben zuvor bei WNG gespielt und haben jetzt noch ein Projekt am laufen mit dem Namen Spardowski.Dann noch der David der schon eine lange Zeit an meiner Seite ist, aber mit dem ich noch nie wirklich so richtig aktiv Musik gemacht habe. David hat bislang in noch keiner Band gespielt. Aushilfsweise aber mal bei Bash! und auf Mikes Hochzeit hat er Gitarre gespielt. Das war wenn ich richtig liege der Kick der ihm zuvor fehlte fest in einer Band zu spielen.  

Dann hätten wir ja die aktuelle Band komplett Frank.Wer und warum kam man auf den Band Name „Nonstop Stereo“? 

Wir waren noch gar nicht darauf vorbereitet Gigs zu spielen und bekamen eine Anfrage für einen Gig im Sauerland. Da wir mit Bash! schon immer gern da gespielt haben, wollte ich mir das irgendwie nicht entgehen lassen. Wir hatten ein Set von ca. 30 Minuten und noch keinen Namen. Anfangs hatten wir vor uns Karacho zu nennen, bis wir darauf aufmerksam wurden, dass es bereits eine Band gibt die so heißt. Ich hatte dann die Idee für "Kontra in Stereo". Das war den anderen Jungs aber irgendwie zu negativ. Aber "Stereo" war etwas worauf wir aufbauen wollten.  Und dann ist mir während einer Probe Nonstop Stereo in den Sinn gekommen. Wie genau ich darauf gekommen bin weiß ich gar nicht. Jedenfalls fanden den Namen alle gut und da wir ja für den Gig nun mal einen Namen brauchten, haben wir den genommen. 

Dann möchte ich mal zum Tonträger kommen, der den Titel „solides grundrauschen“ trägt. Ich hatte ja schon das Vergnügen ein paar (frühere) Songs von Euch hören zu dürfen, die ich zwar ganz ok, aber nicht überwältigend fand. Und als ich dann die CD bekam war ich BAFF, denn das was da in meine alten, fast tauben drang, würde ich als feinste Punk Rock Musik (ich vermeide BEWUSST den Begriff „Deutschpunk“) bezeichnen. Erzähle uns doch ein wenig zur Entstehungsgeschichte dieses großartigen Tonträger! 

Jawollja! Herzlichen Dank für die Blumen! Tatsächlich hast Du unser Demo nicht besonders abgefeiert. Aber das (wenn ich mal ein Kompliment zurückgeben darf) spricht wiederum für dich! Denn Du sagst bzw. schreibst was Du denkst. Und das fand ich schon immer gut! Wir kennen uns ja nun auch schon seit geraumer Zeit.Zur Entstehung des Albums…. Wo fange ich an? Ich kann weniger etwas zur Entstehung, sondern eher zur Entwicklung sagen. Wir haben bevor wir in ein richtiges Studio gegangen sind Vorhabaufnahmen vom Großteil der Lieder gemacht. Somit konnten wir uns das mal in Ruhe in Heimischen Gefilden  anhören und das ein oder andere ändern, ausbessern oder wie immer man das nennen will.  Im Proberaum kann man das manchmal gar nicht ausmachen ob etwas letztendlich gut klingt, oder nicht. Dazu kommt, dass David und ich uns oft getroffen haben um an zwei Gitarrenspuren zu basteln. Das macht erstens verdammt viel Bock und zum zweiten finden wir, dass macht es die Musik fülliger macht.Eine weitere Sache ist die, dass ich zuvor noch nie so lange im Studio war um Aufnahmen zu machen. Wir hatten keinen Zeitdruck und somit wirklich richtig Spaß bei den Aufnahmen. Man kackt sich also nicht an oder gerät in Stress. Das hilft ungemein.Und zur Entstehung kann ich nicht viel sagen! Eine Idee steht, wir geben alle unseren Senf dazu und machen dann halt auch schon mal viele Stunden an einem Song rum bis alles passt. Andererseits geht das auch schon mal ruck zuck. Es gibt kein Konzept und kein Rezept.  

Ganz großes Kino finde ich den Song „das große stück“. Erzähl uns doch mal was zum Inhalt dieses Songs, denn das ist ja ein „sehr persönlicher“ Text und berichte uns wie er bei der betroffenen Person angekommen ist. 

Jo, für alle (also die meisten) die es nicht wissen, das ist ein Heiratsantrag an meineHerzdame!  Das größte Stück!3 Jahre habe ich immer wieder daran gesessen und versucht Worte zu finden die nicht all zu schmalzig sind. Ich wusste genau, dass ich den Song auf das nächste Album packen werde das ich mache. Zu beginn war noch gar nicht klar das es Nonstop Stereo mal geben wird. Darum dachte ich das wird ein Song für das nächste Bash! Album. Aber so wie es ist, ist es gut. Natürlich wusste sie nichts von dem Lied denn es sollte natürlich ne Überraschung werden. Sie hat das dann erst gar nicht verstanden und ich musste, nachdem sie den Song gehört hat,  erklären was los ist! Das war eigentlich nicht so geplant, aber sie hat ja gesagt. Ole! 

Ja dann mal Gratulation an Euch zwei! Auch wenn es ein wenig Zeit in Anspruch nimmt, hätte ich gerne zu jedem Song eures Album ein kurzes Statement. 

Ich danke!Ach du Scheiße! Hast Du gesagt zu JEDEM Song? Halleluja! Nun gut!

Gute Zeiten/Scheiß Momente: Ein Lied über die Zeit als solche und wie man mir ihr umgeht. Hast Du Spaß und bist in guter Gesellschaft, geht die Zeit ruck zuck vorbei! Hängst Du irgendwo ab, wo es alles andere als spaßig ist, will die Zeit nicht vergehen. Also hoffst Du, dass die Zeit schnell vergeht was eigentlich schade ist, denn Du kannst Zeit an sich nie wieder zurückholen.

Gute Zeiten/Scheiß Momente: Ein Lied über die Zeit als solche und wie man mir ihr umgeht. Hast Du Spaß und bist in guter Gesellschaft, geht die Zeit ruck zuck vorbei! Hängst Du irgendwo ab, wo es alles andere als spaßig ist, will die Zeit nicht vergehen. Also hoffst Du, dass die Zeit schnell vergeht was eigentlich schade ist, denn Du kannst Zeit an sich nie wieder zurückholen.

 

Eine rauch ich mir noch und dann hau ich ab: Das ist ein Zitat vom Mike der des öfteren sagt, dass er noch eine raucht und dann das weite sucht! Dabei werden es dann schon mal 10 – 15 Kippen!

 

Meinst Du?:Habe ich mir nichts bei gedacht! Und ich hoffe bis heute, dass sich niemand angesprochen fühlt. Wäre schade!

 

Tiefdruckluftgebiet: Die Geschichte vom Sven der bei Selig erwähnt wurde geht weiter.

 

Rock n Roll Radio: Da kann wahrscheinlich jeder ein Lied von singen! Wir haben es einfach wahr gemacht. Stress mit den Nachbarn weil die Musik zu laut ist. Eigentlich komplett unspektakulär, aber das Lied finden bei einigen Rezensionen großen Anklang was beweißt, dass es noch andere Menschen auf dem Planeten Erde gibt, die Nachbarn haben, die komischerweise morgens früh keinen Bock auf Lauten Punk Rock haben.

 

IQ 77: Ich habe einen IQ Test von und mit Günter Jauch im TV gesehen. Ein paar Freunde waren auch vor Ort und wir haben uns nachdem wir einige Bierchen geschlürft haben gedacht, da machen wir mit! Das bzw. mein Endergebnis war dann, dass ich einen IQ von 77 haben soll! Das war Grund genug ein Lied darüber zu machen.

 

Dein Wahres Ich: Gute Miene zum bösen Spiel. Nicht unbedingt der beste Weg aber manchmal dennoch ratsam!

  

Das Größte Stück: Hatten wir ja schon drüber gesprochen. Ein Heiratsantrag auf meine Art. Oder wie Lola meinte: In meiner Sprache.

 

Heldentod: Gerne werden wir gefragt, was wir damit aussagen wollen! Und was die Scheiße mit der Katze soll! Ich habe keinen Plan. Ich sage nur soviel: Sascha hasst den Song, was zum Inhalt nicht wirklich viel beiträgt.

 

Wenn überhaupt: Eine Lied für und an Mike

 

Alles was ich kriegen kann: Ein Ego Song. Seinen Weg gehen und mitnehmen was man mitnehmen kann ohne Rücksicht auf Verluste.

 

Prosit: Was wäre gewesen wenn wir nüchtern gewesen wären?

 

Wer viel frisst der viel scheißt: Sozusagen das Gegenstück zu „alles was ich kriegen kann“. Also was man letztendlich davon hat, wenn man ohne Rücksicht auf Verluste und mit dem Kopf durch die Wand lebt.

  

Der Rainer: Ein Fun Stück. Ein Wortspiel. Rainer Zufall.

 

Antidiplomat: Nicht ernst zu nehmen Irgendwie eine Selbstverarschung.  

 

Der innere Schweinehund: Du liebst jemanden über alles und der jenige Dich auch. Trotzdem gehst Du eines Tages ohne Ankündigung weg und kommst nie zurück. Das Lied mögen Weibliche Hörerinnen nicht besonders! Also alles richtig gemacht, oder was?   

Meinst Du, das liest irgendwer Frank J (auf jeden Fall eine Person und zwar ich,haha) 

J (auf jeden Fall eine Person und zwar ich,haha) 

J (auf jeden Fall eine Person und zwar ich,haha)  Was darf man erwarten wenn man NONSTOP STEREO Live sieht? Ein reines NONSTOP STEREO Programm oder auch alte BASH Klassiker?

Wir spielen auch 2 Stücke von Bash! Was hat man sonst zu erwarten? Kommt vorbei und schaut’s Euch an. Wir haben schon darauf geachtet, dass wir die Platte so aufnehmen, dass wir die Stücke auch in etwa so rüberbringen können wir man es von der Platte kennt. Also keine Überproduktion mit zich Gitarrenspuren, Gesangschören und Percussion Exessen. 

Wir spielen auch 2 Stücke von Bash! Was hat man sonst zu erwarten? Kommt vorbei und schaut’s Euch an. Wir haben schon darauf geachtet, dass wir die Platte so aufnehmen, dass wir die Stücke auch in etwa so rüberbringen können wir man es von der Platte kennt. Also keine Überproduktion mit zich Gitarrenspuren, Gesangschören und Percussion Exessen. 

Eure CD erschien ja auf dem neu gegründetem „RILREC“ (www.rilrec.de). Wurde dieses Label von Euch bewusst ausgesucht?Hattet ihr noch andere Angebote gehabt bzw. habt ihr überhaupt andere Label im Visier gehabt? 

Das war eher umgekehrt! RilRec haben sich uns ausgesucht und haben gefragt, ob wir uns vorstellen könnten das Album bei RilRec zu machen. Dadurch habe ich den Maks kennergelernt, der mittlerweile einer meiner besten Freunde geworden ist! Also ein doppelter gewinn! Ich selber bin bei dem Label eingestiegen und gehöre jetzt dazu. Das hat sich so ergeben weil wir (Maks und ich) ständig über dinge gesprochen haben, die das Label anging! Eines schönen Tages kam dann vom Maks die frage auf, ob ich mitmachen will. Zuvor hatten wir uns bei andern Labels beworben. Aber wir warten bis heute auf Antworten. Schon ziemlich arm wie ich finde. Soll mir aber egal sein! RilRec war ne gute Entscheidung! Und das sage ich jetzt nicht nur weil ich ein Teil davon geworden bin. 

Was genau heißt „eingestiegen“? Bist du für künftige Veröffentlichungen finanziell mit verantwortlich oder was heißt das genau? Raus mit der Sprache du Label Mogul ;)  

Ja, finanziell versuche ich mich natürlich auch einzubringen, was nicht einfach ist wenn man bereits ein teures Hobby hat! Ansonsten höre ich mich um was es an für RilRec interessanten Bands gibt und ich bin halt eher mit dem Kopf dabei. Also so richtig aktiv bin ich gar nicht mal. Muss aber dazusagen, dass sich das alles noch entwickelt. Wir haben gerade mal 2 Bands auf dem Label. Einmal uns und The Kleins. Aber wir haben schon 2 weitere großartige Kapellen im Visier mit denen wir bereits Kontakt haben. Aber dazu sage ich jetzt noch nichts. Weill wenn’s nicht klappt, heißt es das wir nur Bullshit labern! Was ja eigentlich auch so ist, allerdings verraten wir das natürlich niemandem! Wir sind doch kein Idiot!  Es ist aber alles hoch offiziell mit GBR Vertrag und allem Pi Pa Po! Natürlich habe ich da auch im Hinterkopf gehabt, endlich eine Metro Karte beantragen zu können!  

Jau….das ist doch ein schönes Schlusswort und die letzten Sätze gehören Dir / Euch. Danke für das Interview!

Okay…in diesem Fall kann sich aber wirklich niemand beklagen von wegen, dass ich immer das letzte Wort habe! Denn jetzt und hier werde ich ja sogar dazu aufgefordert!Ich bedanke mich für das Interview und rühre einfach mal ein bisschen die Werbetrommel indem ich sage, dass wenn jemand neugierig auf nonstop stereo geworden ist, kann er oder sie sich 4 unserer Stücke auf www.myspace.com./nonstopstereo zu Gemüte führen. Auf bald und beste Grüße aus Krefeld!!!

MR. IRISH BASTARD


Zugegeben: Die Idee Irish Folk und Punk miteinander zu verbinden ist nicht mehr ganz neu und Bands wie Dropkick Murphys und Flogging Molly sind ja mittlerweile weit über die Grenzen der Punkrockszene hinaus bekannt. Ich finde beide Bands haben mit der Zeit stark nachgelassen und mein Interesse an ihnen schwindet mit jeder neuen Platte, von den Konzerten mal ganz zu schweigen. Da ist es erfreulich festzustellen, dass relativ neue Bands wie die Porters oder Mr. Irish Bastard aus Düsseldorf/Münster mal etwas frischen Wind in dieses Genre bringen. Begeistert von den Platten „St. Mary’s School of drinking“ , „The bastard brotherhood” und nicht zuletzt von ihrem Auftritt in Bocholt, stellte ich der Band per Mail ein paar Fragen…..

Hallo! Schön ,dass ihr euch die Zeit genommen habt. Als ihr neulich in Bocholt gespielt habt, hatte ich mich im Vorfeld gefreut, ein paar Bierchen mit eurem Gitarristen „Mitch“ trinken zu können. Wo ist der gute Mann abgeblieben?

Boeuf (Bass): „Mitch“ hat sich leider entschieden, nicht weiter zu machen und sich auf  andere Dinge zu konzentrieren. Das ist schade aber es geht weiter.

Wie fandet ihr das Konzert in Bocholt? Leider waren nicht ganz so viele Leute da. Stört euch das? Ich persönlich finde es immer sehr ärgerlich, wenn gute Bands nicht die Aufmerksamkeit bekommen, die ihnen zusteht. Außerdem laufen in Bocholt Zig Leute mit Flogging Molly Shirts herum, zahlen saftige Ticketpreise für diese Band und kommen nicht, wenn eine vergleichbare Band in der Stadt spielt.

Boeuf (Bass): Es ist klar, dass wir nicht überall sonderlich bekannt sind.
Deshalb spielen wir möglichst viel um das zu ändern und meistens haben wir mit den Zuschauerzahlen ziemliches Glück.
In Bocholt waren nicht wirklich viele Leute da, aber die kriegen das, wofür sie bezahlt haben und wir hatten schon das Gefühl, dass alle Anwesenden einen guten Abend hatten.

Die Stimmung war jedenfalls sehr gut. Den Flogging Molly Vergleich kann man gelten lassen oder geht euch das auf die Nerven?

Boeuf (Bass): Der Vergleich ist sinnvoll für Leute, die uns noch nicht kennen. "Die klingen ungefähr wie Flogging Molly", da kann man sich dann was drunter vorstellen.
Wenn Banjo, Mandoline, Tin Whistle und Akkordeon untergebracht gespielt wird, wird man natürlich schnell mit Flogging Molly oder den Pogues verglichen obwohl wir natürlich anders klingen.

Flachmann und Biergläser mit eurem Logo am Merchstand. Slogans wie „St. Mary’s School of drinking“ und „Fine irish punk drinking music”….setzt man sich mit solch einem Trunkenboldimage nicht selber ein wenig unter Druck. Die Leute werden doch sicherlich stets von euch erwarten, dass ihr auf der Bühne die Sau raus lasst, statt am Mineralwasser zu nippen. Klingt für mich ganz schön anstrengend, gerade wenn man mal auf Tour ist.

Boeuf (Bass): Ist es auch, haha!
Tatsächlich trinken wir gerne, wenn wir unterwegs sind. Das wir aber mehr als ein Trunkenboldimage zu bieten haben, merkt man spätestens bei den Inhalten der Texte. Da geht es nicht darum, wo wir das nächste Fass Guiness her bekommen sondern um Dinge, die um uns herum passieren und uns beschäftigen.

Erzähl mal ein bisschen zu den Texten, worum dreht es sich darin und wer ist für die Texte verantwortlich?

Boeuf (Bass): Die Texte schreibt unser Sänger Chris. Da er irischer Herkunft ist, hat er natürlich ein viel größeres Talent, auf englisch zu texten, als der Rest von uns.
Es geht viel um persönliche Dämonen, um die täglichen Zweifel und die Frage, ob das alles so richtig ist, wie man das Leben angeht.
Selbst ein Song mit dem Titel "Last pints on me" ist kein Trinklied. Auch hier geht es eher nachdenklich zu Sache. „I’m halfway to hell, let’s drink to all my demons tonight!"
So abgelutscht es klingt, aber im Endeffekt heißt oft die Aussage: "Lass Dir nichts erzählen und versuch, Dein eigenes Ding zu machen!"

Hat er die Bands auch ins Leben gerufen? Wie ging es damals los mit Mr. Irish Bastard?

Boeuf (Bass): Ja, genau. Chris und ich haben sehr lange zusammen in einer fürchterlich erfolglosen Punkrock Band gespielt, die sich dann irgendwann aufgelöst hat.
Kurze Zeit später rief er an, dass er wieder eine Band an den Start bringen will, wieder Punkrock, nur diesmal mit irischen Elementen. Er kannte Gran und Lily noch von sehr viel früher und wir haben uns dann einfach mal getroffen und es hat auf anhieb sehr gut funktioniert. Wir haben recht schnell den ersten Song aufgenommen. Den haben die Levellers gehört und uns direkt als Support für ihre Tour Ende 2006 engagiert.
Seitdem ist uns nicht langweilig geworden.

Eure Wurzeln liegen also im Punkrock. Ist das bei allen Bandmitgliedern so? Einer von euch trägt auf dem Foto der „St. Mary’s School of drinking“ ein 7 Seconds Shirt…

Boeuf (Bass): Ja, das ist eigentlich bei allen so.
Tatsächlich sind aber auch die Pogues oder die Levellers immer wichtig für uns gewesen.
Ich habe auch viel Straight Edge gehört, Gorilla Biscuits oder Youth of today, habe es aber mit den Szeneregeln nicht so genau genommen. Walter Schreifels hat beim letzten Konzert auch großzügig am Rotwein genippt…

Bei der Terminabsprache für dieses Interview hatten wir ja schon kurz über eure Coverversionen auf dem neuen Album „The bastard brotherhood“ gewitzelt. Um ehrlich zu sein: „Why can’t I be you“ (The Cure), „Livin’ la vida loca“ (Ricky Martin) und “Temple of love” (Sisters of Mercy) gehören nicht gerade zu meinen Lieblingsliedern von euch. Warum habt ihr gerade diese Songs ausgewählt? Gibt’s noch andere Cover, die ich nicht erkannt habe? Wie sind die Reaktionen ansonsten auf diese Nummern?

Gran (Banjo) :D ie beiden Songs sind die einzigen Cover. Viele sagen "das ist totale Scheiße" und manche sagen "das gefällt mir sehr gut". Ist natürlich ungewöhnlich solche Songs mit Akkordeon und Banjo zu spielen. Wir machen so was gerne und haben es einfach getan. "The Cure" haben wir gewählt, weil es Helden unserer Jugend sind. Ricky Martin ist natürlich grausam. Der irische Bastard und ich haben Shrek geguckt, wo das Lied drin vorkommt. Sollen wir das mal versuchen? - schallendes Gelächter, gefolgt von einem "lass machen". So war die Idee dazu geboren. Live kommt das Teil übrigens super an. Bier und gute Laune scheinen da ungemein zu helfen!

„The bastard brotherhood“ ist ja noch recht frisch. Wie war bisher die Resonanz auf diese Platte?

Gran (Banjo) :Sehr gut! Ich würde sagen im Durchschnitt 2+. Die einzige Kritik bekommen für "La Vida Loca", womit wir übrigens schon vorher gerechnet haben. All den Kritikern kann ich nur sagen: wenn ihr das schon scheiße fandet dann wartet mal das nächste Album ab! Haha!

„St. Mary’s School of drinking“ ist bereits ausverkauft habe ich gehört. Ist das richtig?

Gran (Banjo) :D as ist richtig. Das gute Stück wird aber gerade für eine Neuauflage vorbereitet. Im Sommer gibt’s das Teil dann wieder zu kaufen!

Die beiden Alben sind ja bei Reedo Records erschienen, das sagte mir bisher gar nichts. Was ist das für ein Label? Eher Punkrock, oder Irish Folk oder nichts von dem? Hattet ihr anfangs Schwierigkeiten ein Label zu finden? Schließlich könnte man als Plattenfirma auch den Standpunkt vertreten: „Irish Folk + Punk? Der Markt ist überfüllt!“, oder?

Mr. Irish Bastard (Gitarre/Gesang): Reedo ist unser eigenes Label. Wenn man es nüchtern betrachtet (und das kommt vor) kann ein Label für eine Band unserer jetzigen überschaubaren Größe und in unserem Genre nicht viel tun, bzw. es gibt kaum Labels die Dir ein brauchbares Angebot machen können. Da wir uns selber gut auskennen und uns die Halbwahrheiten, die leeren Versprechungen und das Gestreite um Geld sparen wollten, stand das nie zur Diskussion.

Wie ist euer Verhältnis zu den Porters? Ihr macht sehr ähnliche Musik und kommt zum Teil aus der gleichen Region. Gute Kumpels oder eher Konkurrenz?

Mr. Irish Bastard (Gitarre/Gesang): Wir pflegen zu keinen Bands einen Spirit der Konkurrenz, sondern freuen uns immer wieder wenn wir auf Tour mit Bands sind wie Levellers, Fiddler's Green oder Blood or Whiskey. Das Leben ist zu kurz um Konkurrenten zu sein.

Um noch mal auf das viele Touren und dem damit verbundenen Feiern zu sprechen zu kommen: Wie ergeht es denn eigentlich der einzigen Frau an Bord, eurer Flötistin Lily, dabei?

Lily (Tin Whistle): Mir geht es sehr gut dabei! Zum einen feiere ich selber sehr gerne und zum anderen ist es immer super lustig mit den Jungs. Es fängt ja quasi schon im Bus an. Wir haben immer großen Spaß zusammen und auf den Konzerten lernt man unglaublich viele nette Menschen kennen. Für mich sind diese Kurztrips mit der Band, die Konzerte und überhaupt alles drum herum eine absolute Bereicherung.

Die neue Platte kommt wie gesagt gut an, ihr seid viel unterwegs. Was kann sich eine Band noch weiter wünschen bzw. was plant ihr ganz konkret für die nähere Zukunft?

Lily (Tin Whistle): Wir sind tatsächlich schon wieder im Studio um neue Songs aufzunehmen. Mindestens einer davon wird als Bonustrack bei der Neuauflage der St. Mary’s EP dabei sein. Ansonsten gibt es allerhand Pläne, die aber noch nicht spruchreif sind. Wir freuen uns jetzt erst mal auf die kommenden Konzerte, denn live spielen ist das, was wir am liebsten machen!

Okay Leute, nochmals vielen Dank für das Interview! Letzte Worte?

Gisbert Schulz möge sich bitte mal bei uns melden!

Termine, Infos, Bilder, Hörproben unter: www.mririshbastard.com & www.myspace.com/mririshbastard

LION SHIELD

Einleitung:
Aufmerksam geworden bin ich auf die 4 Herren aus Hannover vor ein paar monaten auf deren Myspace Seite, wo Demos zu Hören waren, die recht vielversprechend klangen. Alter schön traditionell gepflegter britisch Oi/Punk und Schnörkel , den man bei all dem stil-verwustel viel zu selten heutzutage hört.
Anscheinend gefällt auch Sunny & Christian dieser Stil (und die Band!) , denn vor knapp 1 Monat kam das Debüt „Against all odds“ auf CD heraus und reiht sich neben Urban Rejects, Mummy Darlings oder BovverBoys in dem oldschool-Skinhead Sound bestens ein! (Vinyl auf Contra Records ist bei Erscheinen des Intis auch raus).
Also Grund genug die Herren mal etwas genauer im Zwiegespräch unter die Lupe zu nehmen:

Mahlzeit, Lion Shield, stellt Euch doch mal vor. Seit wann seit Ihr in der Szene dabei, was treibt Ihr sonst so und wie kamt Ihr dazu die band Lion Shield zu gründen?

Moin moin! Erstmal zu uns, wir sind 4 Leute bei Lion Shield: Joe (24, Bass) hat Geschichte / Politik studiert, Jens (24, Schlagzeug) arbeitet als Sozialpädagoge mit Nachwuchsgangstern, Torben (26, Gesang) hat ein Fernstudium als IT-Spezialist begonnen und ist Teilzeit-Security, und Leif (28, Gitarre) ist angestellt als Lehrer an einer Hauptschule im Südwesten Hamburgs.
Wir sind alle schon 10 plus x Jahre in der Skinhead- bzw. Punkszene unterwegs und haben deswegen auch alle schon vorher in anderen Bands gespielt, die mit Ausnahme von Joes KNOW YOUR FOE / FRIENDLY FUCKING FIRE aber nie groß über den Proberaum hinausgekommen sind. Und bis auf Joe haben wir vorher alle ein anderes Instrument gespielt. Auch heute hat noch jeder in der Band seine anderen Baustellen, von Reggae und Calypso über HC bis hin zu Psychobilly.
 Anfang 2004 haben wir als Lion Shield dann angefangen, weil unser gemeinsamer Nenner die Liebe für den guten alten, überwiegend britischen Oi! Sound ist. Wir haben also schon bewusst gesagt, dass wir ganz klar in diese Richtung gehen wollen, also weder Uffta-Deutschpunk noch Heavy Metal Oi!.

Würdet Ihr Euch als „typische Glatzenband alter Schule“ Sehen oder wie seht Ihr Euch selber und Eure Musik?

Da wir ja keine reine Glatzenband sind, sehen wir uns auch nicht als solche, sondern halt als eine „alte Schule“ Oi! Band. Wir legen viel Wert darauf, uns zur Gesellschaft zu äußern, in der wir leben – und wie wir selber zu dieser Gesellschaft stehen. In erster Linie sprechen wir wohl Skinheads und korrekte Punks an, aber letztlich gilt für uns das Prinzip „for the Kids on the Street“.
 Wenn ein Song entsteht, denken wir auch nicht: „Oh, das klingt geil, aber ist kein Oi!… Scheiße…!“. Wir spielen halt das, was uns in den Sinn kommt. Und weil wir eine Menge alten Kram gehört haben und das immer noch tun, geht es insgesamt auch schwer in die „alte Schule“ Richtung.

Ich frag das deshalb weil eure Texte dürften vermehrt Skinheads ansprechen, was nicht nur an Krachern wie „Skinhead Night“ liegen dürfte, sondern an den Texten allgemein. Working Class, das Gefühl auf der Strasse noch präsent zu sein, der Way of Life mit all seinen Werten, eine gehörige Portion Stolz auf sich selber…? Das klingt für mich nicht aufgesetzt oder als typisches Stereotyp, sondern so als ob ihr genau wißt, wovon ihr singt?

Jeder von diesen Begriffen hat für uns eine ganz klare Bedeutung. Klar, es gibt auch in der Band unterschiedliche Meinungen, aber: Wir nehmen keinen dieser Begriffe in den Mund, ohne da eine Haltung zu zu haben. Beispiel „Stolz“: Ja, wir sind stolz auf uns, auf das, was wir jeder für sich erreicht haben oder es zumindest probiert zu haben. Wir haben aber auch Stolz, nämlich gewisse Prinzipien, wie uns z.B. anderen gegenüber verhalten. Manchem, der das Wort alle Nase lang vor sich hersagt, täte das vielleicht auch mal ganz gut, besonders wenn man sich anguckt, wie manche Szenegänger ohne Not wie Junkies vor sich hergammeln oder alte Leute anpöbeln.
„Working class“ / Arbeiterklasse ist uns auch ein wichtiges Thema. Wir selber stammen aus Arbeiter- / Angestelltenfamilien. Das ist ja erstmal nichts besonderes, denn schließlich geht es der großen Mehrheit der Bevölkerung genauso. Aber gerade deshalb finden wir es wichtig darüber zu texten, wie denn das Leben der Masse so aussieht, im Guten wie im Schlechten; Klassenbewusstsein in diesem Sinne gibt es ja kaum noch.
Allerdings kennen wir auch genug korrekte Leute aus betuchteren Familien, für die wir die Hand tausend mal länger ins Feuer legen würden als für manchen Urproletarier. Wir haben Leute kommen und gehen gesehen, die ihre Lehre angefangen haben, von heute auf morgen die übelsten Malocher waren und nach drei Jahren schwuppdiwupp weg waren vom Fenster. Soll heißen: Die größten Sprücheklopfer sind meistens auch die ersten, die irgendwann das Feld räumen und die Schuld dafür dann nicht bei sich, sondern bei „der Szene“ suchen.

Also das was ihr in Eurem gleichnamigen Song „just a fucking Die Hard“ nennt, oder ist doch Bruce Willis gemeint…???

Bruce Willis ist mit dem Song nicht gemeint, obwohl das sicher auch mal eine Maßnahme wäre. Bei „Die Hard“ geht es einfach darum, dass man sich nicht ständig von anderen Leuten reinquatschen lassen sollte, sondern sich einen eigenen Kopf macht und das, was man dann vorhat, auch durchzieht.

Mit „Do you remember“ scheint ihr geradewegs die Zeiten zu beschwören, in denen der Mob noch nicht im Wohnzimmer bei Myspace oder als Diksussionschlappen in Foren sich vergnügte. Ist da Einiges abhanden gekommen oder wie erlebt Ihr selber die Szene im Wandel mit all den Ausprägungen? 

Absolut richtig. Wir haben das Glück, unsere Jugend noch einer Zeit verbracht zu haben, wo man sich treffen musste, um mit Leuten abzuhängen. Telefonieren hat da ja auch noch Geld gekostet, sodass wir immer „draußen“ waren; man konnte noch nicht innerhalb einer Woche zum gut informierten Skinhead werden, weil man seine Infos und Musik eben nicht in Sekundenschnelle aus dem Netz ziehen konnte, sondern sich von anderen zusammensammeln musste (da hieß es auch noch „überspielen“ und nicht „brennen“). DAS hatte noch was für sich, denn so ist man langsam in den Kult / die Szene reingewachsen, anstatt gleich wie ein geklonter 69er Borg auf der Matte zu stehen und irgendwelche angelesenen Weisheiten runterzubeten. Durch das Internet ist wohl vieles gestorben, was eine Jugendkultur überhaupt lebendig macht. In dieser Hinsicht ist „Do you remember“ auf jeden Fall eine Ode an „die gute alte Zeit“. Aber natürlich nutzen auch wir das Internet, sowohl als Band wie auch privat, es hat ja auch seine klaren Vorteile.

Ihr kommt ja aus Hannover, wie der einzig deutschsprachige Song auf dem Album „Jungs von der Leine“ schon klarmacht. (Als ich den Song das erste Mal hörte, dachte ich eher, dass ihr aus Bremen kommt…hehe, aber gottseidank pflegt ihr DIESE Tradition nicht) Was geht ab bei Euch in Hannover, ist ja auch nicht gerade eine Kleinburg was Punks & Skins betrifft und öfter mal in den Schlagzeilen gewesen…Erzählt mal…

Die Anspielung auf Bremen ist lustig, beruht aber doch eher auf Zufall. Hannover hat eine gute, aber doch überschaubare Szene mit allen Licht- und Schattenseiten, wie man das anderswo auch kennt. Gute und günstige Konzerte gibt es vor allem im Béi Chéz Héinz, wobei sich die Betreiber mit Oi! Bands schwer tun; die Glocksee wird immer uninteressanter, seitdem da ein paar Möchtegernlinke mit Identitätsproblemen das Regiment übernommen haben.
Bis vor zwei Jahren gab es auch monatlich den „Hot, Baby, hot!“ Niter im Kulturpalast, wo bekannte und rare Tracks aus den Bereichen Reggae, Soul, Ska aufgelegt wurden. Aktuell sind noch die Konservenveranstaltungen von Robert a.k.a. ROB’N ROLL zu nennen, der hat schon ein ordentliches Repertoire und berücksichtigt eine Menge Wünsche. Das Duo EHLERS / MEERSTEIN, sozusagen ein Musikantenstadl für Skins und Punks, ist mittlerweile leider ziemlich selten aktiv.
Ansonsten ist Hannover natürlich auch die Heimat von unseren Freunden von GUTS’N‘GLORY, die trotz des (bedauerlichen) Austritts von Pedder gerade an ihrem zweiten Album basteln. Und auch die neugegründeten COMBAT 77 (Gruß an die Schätzeken!) stammen ja mit Kirsten und Björn zur Hälfte aus unserer Landeshauptstadt. Auch sie nehmen im Januar ihr Debut-Album auf, auf das wir nach dem schönen Demo schon gespannt sind.
Zu den Chaos-Tagen haben wir z.T. recht unterschiedliche Meinungen, deshalb sagen wir da gar nichts zu.
 
Mit Guts’n’Glory und Combat 77 seid ihr ja auch auf dem selben Label, wie ich letztens erfahren habe. (Auf der Sunny Bastards Homepage stehn die beiden Releases als Vorschau für 2008) Aber es gibt auch Vinyl von euch via Contra-Records, was ja für eine Debüt Scheibe ganz und gar nicht mehr alltäglich ist. Wie wichtig ist Euch selber da Format und wie kam es dazu? Zig neue, wirklich gute  Bands suchen verzweifelt ein Label und ihr habt gleich zwei davon?

Das ist für uns auch keine Selbstverständlichkeit. Wir sind sowohl Christian und Sunny von Sunny Bastards als auch Hechti von Contra sehr dankbar für die Chance, die sie uns gegeben haben; Gleiches gilt auch für unsere Freunde Björn & Kirsten (Annex5 / Combat77) und Schöni aus Hannover, die den Kontakt zu beiden Labels unterstützt haben.
Vielleicht haben wir das aber auch geschafft, weil wir musikalisch völlig altmodisch sind. Es gibt viele gute neue Bands, die aber eine komplett andere Richtung bedienen („Metal Oi!“, Streetcore, Punk’n’Roll, was auch immer). Traditioneller Oi! Sound ist aber ziemlich rar gesät, und vielleicht ist es das, was viele wieder hören wollen. Wir haben schon Freudensprünge gemacht, als Christian uns die CD angeboten hat – und als Vinylfetischisten natürlich auch, dass Hechti das Debüt auf Platte knallt.


 
Wie geht’s weiter mit Lion Shield? Ich persönlich würd mir auf der nächsten Scheibe 2-3 mehr deutsche Songs wünschen, gibt’s da Überlegungen Eurerseits?
 

Wir spielen jetzt erstmal wieder ein paar Konzerte, wir lernen immer gerne neue Leute kennen oder sehen Freunde und Bekannte wieder. Dabei wird auch schon das ein oder andere neue Lied gespielt werden. Zum zweiten Album wollen wir uns noch nicht endgültig festlegen, aber es werden mehr Songs und vielleicht auch die ein oder andere Überraschung drauf sein. Gut möglich, dass es auch Lieder auf Deutsch geben wird! Außerdem werden wir nächstes Mal ins Studio gehen, um auch wirklich 100%ig den Sound zu kriegen, den wir haben wollen.

Kommen wir zum Ende…gibt’s noch etwas, was Ihr loswerden wollt? Grüße, Konzertetermine, Lebensweisheiten?

Wie gesagt, wir freuen uns immer, Freunde / Bekannte auf Konzerten zu treffen und neue gute Leute kennen zu lernen. In diesem Sinne…
Dir, Frank, danke für dein Interesse und die differenzierten Fragen!

Danke fürs Interview und weiterhin viel Erfolg!  

(Alle Fotos wurden der Homepage der Band entnommen)

OHL

OHL INTERVIEW
 
Heute begrüßen wir zum Interview eine der ältesten Punkrock Bands aus deutschen Gefilden. Freundlicherweise wird sich Deutscher W. meinem kritischen Fragen stellen, und hoffentlich nicht verzweifeln oder zusammenbrechen. (Anm.: wenigstens hoffe ich das!)
 
(zum Aufwärmen!)
Rente: Wie geht es dir Deutscher W.? 
Wenn die Quoten besser wären, hätte ich mehr Zeit um mit OHL zu touren. Also…. es geht so. Rente: Und wie geht es natürlich OHL?  Deutscher W: Welch ein Frage… Da wir in zwei Wochen ein richtig geiles, kleines Konzert im Osten haben und die neue Platte richtig gut geworden ist… Geht es OHL sehr gut!
 
Rente: Gibt es Neuigkeiten zu berichten? 
Deutscher W: Welch ein Frage… Da wir in zwei Wochen ein richtig geiles, kleines Konzert im Osten haben und die neue Platte richtig gut geworden ist… Geht es OHL sehr gut!
 
Rente: Gibt es Neuigkeiten zu berichten? 

Deutscher W: Die schlechten Neuigkeiten sind: Zu wenig Zeit für Konzerte.
Die guten Neuigkeiten sind: Interviews die nicht mit der Frage beginnen:” Wie geht ihr damit um, dass euch einige für eine Naziband halten”?
Deutscher W: Die schlechten Neuigkeiten sind: Zu wenig Zeit für Konzerte.
Die guten Neuigkeiten sind: Interviews die nicht mit der Frage beginnen:” Wie geht ihr damit um, dass euch einige für eine Naziband halten”?

Rente: Eure letzte Veröffentlichung “Zurück zur Front” (Anm.: Kaufen ist Pflicht!) habe ich rauf und runter gehört. Stilistisch und textlich finde ich sie sehr an die ersten Veröffentlichungen der 80er Jahre angelehnt (Heimatfront lässt grüßen) was ja auch der Titel und die Texte sowie das Cover, aussagt.
Wie kam es zum Entschluss, den Stil (sowohl Textlich als auch Soundtechnisch) der 80er Jahre Veröffentlichungen wieder aufzunehmen bzw. wie ich meine noch “eins draufzusetzen”? 
 
Deutscher W: Danke. Mir geht es ähnlich. Neben der “Verbrannte Erde” ist “Zurück zur Front” mein absoluter OHL Favorit. Es gab keinen wirklichen Entschluss. Mir war die “Die Stunde der Wahrheit” einfach zu sauber. Und die “Zurück zur Front” haben wir innerhalb einer Woche eingespielt und abgemischt und textlich waren die anderen Platten doch auch nicht viel anders. Die Schrecken des Krieges haben wir schon immer aufgezeigt. Die rechten, linken und religiösen Terrortaten wurden auch schon immer angeprangert, genau wie die Notwendigkeit Realitäten zu sehen und dementsprechend zu handeln. Also… Im Westen nichts Neues!
 
Rente: Gab es irgendwelche Gründe dass dieses Album kraftvoller und energischer ist als andere Veröffentlichungen?
 
Deutscher W: Ich hoffe, dass alle OHL Veröffentlichungen in Zukunft  so klingen… Lassen wir uns überraschen.
 
Rente: Wenn man die Veröffentlichungen davor hört, kommt es mir so vor als würdet ihr bei der “Zurück zur Front” sagen wollen ” Die Themen und Texte der 80er sind auch heute absolut Aktuell”. Vielleicht würdest du es auch so sagen wie ich, aktueller geht es eigentlich schon gar nicht mehr, wenn man die täglichen politischen Miseren sieht, wo der Einzelne absolut nichts mehr zählt.
Findest du dass gerade die “Zurück zur Front” eine Art Befreiungsschlag oder Rundumschlag ist mit politischen Hohlköpfen/Extremisten aus allen politischen Lagern?
Oder würdest du eher sagen, dass die Themen, die Ihr angepackt habt, eigentlich den täglichen und geschichtlichen politischen Realismus widerspiegeln?
 
Deutscher W: Wir haben doch schon immer mit der blinden und tauben Masse von Ignoranten abgerechnet und nie Rücksicht auf irgendwelche szenetauglichen oder verkaufsfördernden Aussagen genommen. OHL hat schon immer klar Stellung bezogen und nicht erst seit 2003.
 
 Rente: Eure Texte auf der “Zurück zur Front” sind wirklich sehr fassettenreich. Geschichtliche Kritiken zur DDR, wie im Lied “Hammer und Sichel” haben mich sehr bewegt, da nicht viele Bands dieses Thema anpacken. Aber gerade dieser Text spiegelt haargenau die diktatorischen Machtverhältnisse der damaligen DDR Parteibonzen wieder.
Auch eure absolut klare Antifaschistische Einstellung finde ich in den meisten Liedern wieder, klare Abgrenzungen gegen jede Art von Rechtem Schwachsinn auf dieser Welt. Die besten Beispiele sind “Keinen Führer Keinen Gott”;” “Ein Volk ein Reich ein Führer” wo ihr ganz klar gegen Rechte Tendenzen steht.
Und trotzdem muss OHL immer wieder Kritik einstecken, meistens und ganz klar von den Leuten die OHL in seinen Liedern ankreidet. Was denkst du über diese Kritiker? Schaden gerade diese Kritiker der Punkszene?
 
Deutscher W: Weißt du, mir sind diese blinden und tauben realitätsfremden Menschen so was von egal, dass ich es eher als eine  Ehre empfinde, wenn die sich an OHL reiben oder die Platte verreißen. Ich bin doch lieber eine Band die gehasst wird, als eine trendgerechte, jedem szenevorgegebenen Schwachsinn folgende Punkband. Wir sind OHL und wir gehen unseren eigenen Weg und zwar nur unseren eigenen Weg!
Die Szene ist selber Schuld, wenn sie sich von irgendwelchen ewig gestrigen (Rechten und Linken) Schreiberlingen blenden lässt… Kein Mitleid für die geistig Schwachen! 
 
Rente: Denkst du das der jetzige Stil auch bei weiteren kommenden Veröffentlichungen beibehalten wird?
 
Deutscher W: Ja. Das denke ich.
 
Rente: Wie kommen die Lieder von der “Zurück zur Front” auf den Konzerten an? Gibt es auch negative Stimmen aus dem Publikum?
 
Deutscher W: Bisher spielen wir live nur zwei Stücke von der “Zurück zur Front”. Hell wie tausend Sonnen und Der Preis der Freiheit. Wobei Der Preis der Freiheit klar der Liebling der Massen ist.
 
Rente: Findest du es eigentlich passend wenn man behaupten würde das sich der Punk an sich ausverkauft, oder denkst du auch das es eine Weiterentwicklung ist? Wenn man vergleicht welche Bands heute Punkrock(oder so genannten Poppunk) machen, kommt da einem nicht die Galle hoch (anm.: wenigstens mir wenn man Busted sieht)? 
 
Deutscher W: Ich glaube das Bands wie Busted etc. eher ein Marketingprodukt sind und gute Verkaufszahlen haben. Schlimmer finde ich angepasste Bands, die von zahlreichen Schreiberlingen a´la Plastic Brain (bekannter als Plastic Bomb) geschaffen und protegiert werden. Denn darin besteht die Gefahr, dass es nur noch Punkmainstream gibt und jede Band gleich klingt und immer schön die gleichen faden Frasen drischt: Bullen Nein - Ami go home - saufen ist super - etc. Und das halte ich für wesentlich schlimmer, da hier noch alles mit dem großen Wort “Punk” gerechtfertigt wird. In Wirklichkeit aber Manipulation, Dummheit und Selbstgefälligkeit regieren.
 
Rente: Ich persönlich bin ein Freund und  Fan von Cotzraiz einer Band die sehr Umstritten ist da sie wie ihr kein Blatt vor den Mund nimmt und auch Probleme der Punkszene anprangert.(anm.:Empfehlung Cotzraiz- Heil Cotzraiz)
Gibt es heute Punk Gruppen  die dich persönlich ansprechen durch Ihre Texte? 
 
Deutscher W: Durch die Texte leider nicht.
 
Rente: Heute redet jeder über die berühmten Chaostage, aber und da denke ich mal stimmst du mir zu, keiner weis mehr warum es diese so genannten Chaostage eigentlich gegeben hat. Das es nicht um prügelnde Affen und Provozierende Punks ging sondern um die Punkkartei, die eingeführt wurde. 
Denkst du auch dass man den jüngeren Leuten die Bedeutung der “Chaostage” eigentlich vermehrt erklären sollte? 
 
Deutscher W: Die Chaostage sind ein Kindergarten und waren es schon im zweiten Jahr. Einem Freund von mir (Punk der ersten Stunde) wurde während der Chaostage sein Wagen schrottreif gemacht. Kommentar eines Punks: Autos sind Bonzenscheiss. 
Also das ist weder mein Denken noch meine Szene. Ich galube, dass Punk ein energiegeladener Blitz war, der Ende der Siebziger einschlug und sehr viel (nicht nur musikalisch) veränderte. Heute ist daraus ein langweiliger, spiessiger Grundgedanke geworden und irgendwelche möchtegern Vordenker (Fanzines  /  Bands) bestimmen, wie, wer zu denken, zu leben und zu handeln hat. Und genau das, war nicht das Ziel der 77 Revolution.
 
Rente: Was wird es in Zukunft von OHL zu sehen geben? Touren? Neue Veröffentlichungen? 
Rente: Eure letzte Veröffentlichung “Zurück zur Front” (Anm.: Kaufen ist Pflicht!) habe ich rauf und runter gehört. Stilistisch und textlich finde ich sie sehr an die ersten Veröffentlichungen der 80er Jahre angelehnt (Heimatfront lässt grüßen) was ja auch der Titel und die Texte sowie das Cover, aussagt.
Wie kam es zum Entschluss, den Stil (sowohl Textlich als auch Soundtechnisch) der 80er Jahre Veröffentlichungen wieder aufzunehmen bzw. wie ich meine noch “eins draufzusetzen”? 
 
Deutscher W: Danke. Mir geht es ähnlich. Neben der “Verbrannte Erde” ist “Zurück zur Front” mein absoluter OHL Favorit. Es gab keinen wirklichen Entschluss. Mir war die “Die Stunde der Wahrheit” einfach zu sauber. Und die “Zurück zur Front” haben wir innerhalb einer Woche eingespielt und abgemischt und textlich waren die anderen Platten doch auch nicht viel anders. Die Schrecken des Krieges haben wir schon immer aufgezeigt. Die rechten, linken und religiösen Terrortaten wurden auch schon immer angeprangert, genau wie die Notwendigkeit Realitäten zu sehen und dementsprechend zu handeln. Also… Im Westen nichts Neues!
 
Rente: Gab es irgendwelche Gründe dass dieses Album kraftvoller und energischer ist als andere Veröffentlichungen?
 
Deutscher W: Ich hoffe, dass alle OHL Veröffentlichungen in Zukunft  so klingen… Lassen wir uns überraschen.
 
Rente: Wenn man die Veröffentlichungen davor hört, kommt es mir so vor als würdet ihr bei der “Zurück zur Front” sagen wollen ” Die Themen und Texte der 80er sind auch heute absolut Aktuell”. Vielleicht würdest du es auch so sagen wie ich, aktueller geht es eigentlich schon gar nicht mehr, wenn man die täglichen politischen Miseren sieht, wo der Einzelne absolut nichts mehr zählt.
Findest du dass gerade die “Zurück zur Front” eine Art Befreiungsschlag oder Rundumschlag ist mit politischen Hohlköpfen/Extremisten aus allen politischen Lagern?
Oder würdest du eher sagen, dass die Themen, die Ihr angepackt habt, eigentlich den täglichen und geschichtlichen politischen Realismus widerspiegeln?
 
Deutscher W: Wir haben doch schon immer mit der blinden und tauben Masse von Ignoranten abgerechnet und nie Rücksicht auf irgendwelche szenetauglichen oder verkaufsfördernden Aussagen genommen. OHL hat schon immer klar Stellung bezogen und nicht erst seit 2003.
 
 Rente: Eure Texte auf der “Zurück zur Front” sind wirklich sehr fassettenreich. Geschichtliche Kritiken zur DDR, wie im Lied “Hammer und Sichel” haben mich sehr bewegt, da nicht viele Bands dieses Thema anpacken. Aber gerade dieser Text spiegelt haargenau die diktatorischen Machtverhältnisse der damaligen DDR Parteibonzen wieder.
Auch eure absolut klare Antifaschistische Einstellung finde ich in den meisten Liedern wieder, klare Abgrenzungen gegen jede Art von Rechtem Schwachsinn auf dieser Welt. Die besten Beispiele sind “Keinen Führer Keinen Gott”;” “Ein Volk ein Reich ein Führer” wo ihr ganz klar gegen Rechte Tendenzen steht.
Und trotzdem muss OHL immer wieder Kritik einstecken, meistens und ganz klar von den Leuten die OHL in seinen Liedern ankreidet. Was denkst du über diese Kritiker? Schaden gerade diese Kritiker der Punkszene?
 
Deutscher W: Weißt du, mir sind diese blinden und tauben realitätsfremden Menschen so was von egal, dass ich es eher als eine  Ehre empfinde, wenn die sich an OHL reiben oder die Platte verreißen. Ich bin doch lieber eine Band die gehasst wird, als eine trendgerechte, jedem szenevorgegebenen Schwachsinn folgende Punkband. Wir sind OHL und wir gehen unseren eigenen Weg und zwar nur unseren eigenen Weg!
Die Szene ist selber Schuld, wenn sie sich von irgendwelchen ewig gestrigen (Rechten und Linken) Schreiberlingen blenden lässt… Kein Mitleid für die geistig Schwachen! 
 
Rente: Denkst du das der jetzige Stil auch bei weiteren kommenden Veröffentlichungen beibehalten wird?
 
Deutscher W: Ja. Das denke ich.
 
Rente: Wie kommen die Lieder von der “Zurück zur Front” auf den Konzerten an? Gibt es auch negative Stimmen aus dem Publikum?
 
Deutscher W: Bisher spielen wir live nur zwei Stücke von der “Zurück zur Front”. Hell wie tausend Sonnen und Der Preis der Freiheit. Wobei Der Preis der Freiheit klar der Liebling der Massen ist.
 
Rente: Findest du es eigentlich passend wenn man behaupten würde das sich der Punk an sich ausverkauft, oder denkst du auch das es eine Weiterentwicklung ist? Wenn man vergleicht welche Bands heute Punkrock(oder so genannten Poppunk) machen, kommt da einem nicht die Galle hoch (anm.: wenigstens mir wenn man Busted sieht)? 
 
Deutscher W: Ich glaube das Bands wie Busted etc. eher ein Marketingprodukt sind und gute Verkaufszahlen haben. Schlimmer finde ich angepasste Bands, die von zahlreichen Schreiberlingen a´la Plastic Brain (bekannter als Plastic Bomb) geschaffen und protegiert werden. Denn darin besteht die Gefahr, dass es nur noch Punkmainstream gibt und jede Band gleich klingt und immer schön die gleichen faden Frasen drischt: Bullen Nein - Ami go home - saufen ist super - etc. Und das halte ich für wesentlich schlimmer, da hier noch alles mit dem großen Wort “Punk” gerechtfertigt wird. In Wirklichkeit aber Manipulation, Dummheit und Selbstgefälligkeit regieren.
 
Rente: Ich persönlich bin ein Freund und  Fan von Cotzraiz einer Band die sehr Umstritten ist da sie wie ihr kein Blatt vor den Mund nimmt und auch Probleme der Punkszene anprangert.(anm.:Empfehlung Cotzraiz- Heil Cotzraiz)
Gibt es heute Punk Gruppen  die dich persönlich ansprechen durch Ihre Texte? 
 
Deutscher W: Durch die Texte leider nicht.
 
Rente: Heute redet jeder über die berühmten Chaostage, aber und da denke ich mal stimmst du mir zu, keiner weis mehr warum es diese so genannten Chaostage eigentlich gegeben hat. Das es nicht um prügelnde Affen und Provozierende Punks ging sondern um die Punkkartei, die eingeführt wurde. 
Denkst du auch dass man den jüngeren Leuten die Bedeutung der “Chaostage” eigentlich vermehrt erklären sollte? 
 
Deutscher W: Die Chaostage sind ein Kindergarten und waren es schon im zweiten Jahr. Einem Freund von mir (Punk der ersten Stunde) wurde während der Chaostage sein Wagen schrottreif gemacht. Kommentar eines Punks: Autos sind Bonzenscheiss. 
Also das ist weder mein Denken noch meine Szene. Ich galube, dass Punk ein energiegeladener Blitz war, der Ende der Siebziger einschlug und sehr viel (nicht nur musikalisch) veränderte. Heute ist daraus ein langweiliger, spiessiger Grundgedanke geworden und irgendwelche möchtegern Vordenker (Fanzines  /  Bands) bestimmen, wie, wer zu denken, zu leben und zu handeln hat. Und genau das, war nicht das Ziel der 77 Revolution.
 
Rente: Was wird es in Zukunft von OHL zu sehen geben? Touren? Neue Veröffentlichungen? 

Deutscher W: In zwei Jahren ein neues Album und ansonsten Konzerte. Aber da informierst du dich am besten unter www.O-H-L.com 
 
Rente: Möchtest du den Lesern noch was sagen?
 
Deutscher W: Nein
 
Rente: Ich bedanke mich erstmal Herzlich für die Beantwortung  der Fragen und Wünsche OHL und dir Deutscher W ein neues, Tourreiches Jahr 2004….und ein paar ruhige Feiertag

THE LURKERS

Ein kleines Schwätzchen mit Arturo Bassick

Solltet ihr den Tourbericht von den Derita Sisters gelesen haben, dann seit ihr ja schon über die Umstände dieses Interviews im Bilde. Andernfalls sei hier noch mal erwähnt, dass ich Arturo in Düsseldorf getroffen hab, als die Derita Sisters als Support für die Lurkers gespielt haben.

S.: OK, steigen wir direkt voll ein: Mir ist letztens eine Platte von den Blubbery Hellbellies in die Hände gefallen. Wie kamst du zu dieser Band?

A.: Das war in den frühen 80ern. Zu der Zeit war ich nicht bei den Lurkers und meine Schwester spielte bei einer ziemlich bekannten Band, die dieses Country-Punk Ding gemacht haben und The Boothill Foot Tappers hießen. In Deutschland sind die nicht bekannt, aber in England hatten sie eine Hit-Scheibe. Weißt du, da gab´s damals diese Szene in London mit den Pogues, The Men They Couldn´t Hang, The Boothill Foot Tappers und den Blubbery Hellbellies. Wir hatten echt viele Gigs – an die 1000 Konzerte in etwa fünf Jahren.

S.: Ja, der Sound war – interessant. Country, Punk, ein bisschen Rockabilly…

A.: Es war eine abgefahrene Mischung. Wir haben alles ausprobiert; alles was wir so machen wollten – einfach nur, um saufen und Spaß haben zu können. Wir hatten sogar einen Song, der hieß: Punkrock brought us together but Coutry tore us apart. Der war über ein Mädchen, das Punkrock liebte, genauso wie ich, aber als sie hörte, dass ich auch auf Courty stand, hat sie mich verlassen.

S.: Ja, Country is schon seltsam…

A.: Das hängt davon ab, welche Art von Country. Ich mag, wie viele andere auch, Johnny Cash und Hank Williams, aber nicht den ganzen neuen Kram, der so rauskommt – diesen ganzen zuckersüßen Schmuh.

S.: Ehrlich gesagt, weiß ich gar nicht, was gerade so up to date ist in Sachen Country… (und ich weiß auch nicht, ob ich´s wirklich wissen will…)

A.: Naja, ich mag eben viele Arten von Musik und so hab ich auch nen gang guten Überblick, was gerade so rauskommt.

S.: Hm, kommen wir mal zurück zu den Lurkers: als die Band gegründet wurde, hat ja noch Howard Wall gesungen…

A.: Also ich hab `77 bei den ersten beiden Singles (Shadow und Freak Show) mitgespielt. Aber danach bin ich erst mal meiner Wege gegangen, weil ich Songs schreiben wollte. Ich hab bei den Lurkers Bass gespielt, aber ich wollte lieber meine eigenen Songs schreiben – und was ich schrieb, passte nicht zu dem, was die Lurkers zu der Zeit gemacht haben, also hab ich meine eigene Band gegründet. Das waren Pinpoint und wir stellten ein Album und drei Singles auf die Beine. Das war der wahre Grund, warum ich bei den Lurkers ausgestiegen bin. 1987, als ich bei den Blubbery Hellbellies war, traf ich Campino, der fragte, ob die Lurkers nicht zurückkommen wollten, um ein neues Album aufzunehmen; tja, und seitdem bin ich wieder dabei. Aber was aus Howard Wall geworden ist, wissen wir nicht. Wir haben seit über 20 Jahren keinen Kontakt mehr zu ihm. Allerdings hänge ich ab und zu noch mit Esso (dem Original Drummer) und Pete Stride (dem Original Gitarristen) rum.

S.: Wie kamt ihr eigentlich auf den Namen Lurkers (to lurk=lauern)?

A.: Also, ein „Lurker“ ist eben jemand, der in dunklen Ecken darauf lauert, etwas schlimmes zu tun. Als die Band gegründet wurde, gab es erst mal keinen Namen, aber die Jungs waren damals so 19-20 Jahre alt und saßen immer in der dunkelsten Ecke des Pubs und irgendwann sagte jemand: „Ihr solltet euch „Lurkers“ nennen, weil ihr immer im Dunkeln sitzt und lauert!“ Und so kam es zu dem Namen.

S.: Und wie war das damals, als die Band wieder zusammen kam und du wieder der Sänger wurdest?

A.: Naja, ich wurde nicht wieder der Sänger der Band, es war einfach der Umstand, dass die Jungs nicht wussten, wo Howard abgeblieben war und außerdem wollte Pete Stride, der damals die meisten Songs schrieb, ihn sowieso nicht zurückhaben – selbst wenn Howard gewollt hätte – und so fragte er eben mich, ob ich den Job nicht machen wollte. Wir hatten damals Nigel Moore am Bass, der aber später ausstieg. Dann war Esso ebenfalls raus und irgendwann hatte auch Pete Stride keine Lust mehr. Ich war der Einzige, der die Sache weiterführen wollte und das war der Grund, weshalb ich es auch heute noch mache.

S.: Ja, mittlerweile bist du auch einfach das Gesicht der Lurkers.

A.: Hm, es ist eben hart, die Leute 26 Jahre lang zusammenzuhalten und sie davon zu überzeugen, an denselben Ideen und Idealen festzuhalten.

S.: Hattet ihr in den ganzen Jahren irgendwelche Reunion Shows?

A.: Sicher, wir hatten „20 Jahre Lurkers“, „25 Jahre Lurkers“… (grinst) was meist du, wie lange wir noch durchhalten, bevor wir den Löffel abgeben? Ich weiß es nicht…

S.: An was denkst du, wenn du an die Zukunft denkst? Sind irgendwelche Projekte in Planung?

A.: Wir machen dasselbe Ding wie schon immer. Daran wird sich nichts ändern. Wir machen einfach so weiter. Ich meine, auf dem Level, auf dem wir uns jetzt befinden haben wir kein tolles großes Label, das hinter uns steht – wir bringen unsere Scheiben auf Independent Labels heraus und gehen auf Tour, wann immer wir können. Und so wird es wohl auch immer bleiben. Aber du kannst eben auch nicht wissen, was noch so kommt. In den letzten paar Jahren passierten uns echt tolle Dinge, wir wurden z.B. nach Japan, Brasilien und Argentinien eingeladen und im nächsten Frühjahr werden wir zum ersten Mal seit 1978 wieder in die USA fliegen. Damals war ich nicht dabei, weil ich für nur fünf Shows nicht in der Band war. Du weißt also nie, was noch kommt. Wenn du in einer Fabrik am Fließband stehst, weiß du, dass dein Job immer der selbe ist. Wenn du aber das hier machst, wer weiß, was als Nächstes passiert. Und ich mache das nun schon so lange – ich würde es gar nicht mehr anders haben wollen.

S.: Also hast du keinen „normalen“ Job zu Hause?

A.: Nö.

S.: Wirft die Band denn genug ab, um davon zu leben?

A.: (lacht) Nein, aber ich spiele ja auch noch bei 999 Bass, aber nein, es reicht nicht. Ich      bekomme Geld vom Staat, (Zitat:) for being krank in mein kopf. Wenn du verstehst, was ich meine. (S.: *grins* Ja, sehr gut sogar!) Naja, und dafür bekommst du auch noch Geld – ich spiele eben mein Spiel mit dem System – zwinker zwinker… Eigentlich würde ich ja sagen, ich bekomme das Geld für meine Kunst, aber ich denke, die sehen das anders…   

S.: Was ist mit Drogen?

A.: Was ist damit? Willst du welche??

S.: Hast du welche?? – Nein, im Ernst. (Räusper!) Gab´s in deinem Leben mal eine Zeit, in der du echt abhängig von irgendwas warst?

A.: Nein, ich würde sagen, ich war niemals wirklich abhängig von irgendeiner Droge. Im Alter zwischen 14 und 17 hab ich LSD genommen, aber das hat mir echt ein Loch in den Kopf gehauen. Also hab ich niemals wieder so`n Zeug angerührt. Die Verbreitung von Drogen ist einen schlimme Sache. Es gibt mittlerweile so viele Verschiedene und sie halten die Bevölkerung dumm. Speziell in England ist Heroin zum Schmerzkiller Nr.1 der Arbeitslosen geworden. Und in diesen tollen großen staatlichen Wohnkomplexen siehst du so viele Leute an der Nadel hängen, weil sie damit ihren Schmerz darüber, dass sie kein Leben mehr haben, verdrängen wollen. Ihre Karriere ist es, ein Junkie zu werden. Und die Sache ist die: ich weiß genau, dass der internationale illegale Drogenhandel von der CIA finanziert und gefördert wird. Wenn du also heroin- oder koksabhängig bist und du hältst dich deswegen auf irgendeine Art für einen coolen Typen, dann solltest du wissen, dass du damit einfach nur das System unterstützt, das die bösen Jungs betreiben, um so die Welt zu beherrschen. Ich bin absolut davon überzeugt davon, dass Organisationen wie die CIA ihre schmutzigen Griffel tief im weltweiten Drogenhandel drin haben. Sie machen Millionen damit. Und George Bush, Sr. Macht ebenfalls Millionen damit.

S.: Schließt du Zigaretten da mit ein?

A.: Ja, natürlich, weil diese ganzen Organisationen da ja auch tun, nicht wahr? Genauso, wie Alkohol. Versteh mich nicht falsch, ich rauche Zigaretten und trinke Alkohol, aber ich bin mir absolut über die Gründe und Konsequenzen im Klaren und viele Leute sind das nicht. Aber wenn sie das jetzt lesen, sind sie natürlich schlauer! Wenn Leute Drogen nehmen wollen, ist das ganz allein ihre Sache. Es gibt einen großen gesellschaftlichen Druck auf die Leute, Drogen zu nehmen. Um in der coolen Gang zu sein, musst du diese oder jene Droge nehmen – wenn du das nicht machst, bist du eben nicht cool und all so was…

S.: Ja, wenn du in einer speziellen Szene bist und all deine Freunde kiffen zum Beispiel…

A.: Ich weiß, ich weiß. Ich nehm eben nur ab und zu ein bisschen von irgendwas, aber nicht sehr oft. Allerdings trinke ich zu viel.

S.: Ich hab schon viele Leute getroffen, die aus irgendeinem grund plötzlich straight edge geworden sind, wie Mike Ness zum Bleistift…

A.: Jaja, aber er war heroinabhängig.

S.: Ja, aber wenn diese Leute dann anfangen rumzurennen und anderen Leuten erzählen wollen, wie schlimm das alles doch ist…

A.: Naja, es ist schlimm! Und manchmal brauchst du eine lange Zeit, um das zu begreifen.

S.: Ich meine nur, dass der Umgang mit Drogen – welcher Art auch immer – ein sehr persönliches Ding ist und vielleicht kommst du irgendwann drauf, wie scheiße und dumm das alles ist. Aber wenn andauernd Leute mit hocherhobenen Zeigefinger versuchen, dir eben das klarzumachen, dann ist es eher nervtötend, als hilfreich.
 
A.: Jeder muss eben von selbst drauf kommen.

S.: Genau! *Seufz* Endlich jemand, der mich versteht… Also, dann wäre ich mit meinen paar hastig aus dem Ärmel gezogenen Fragen auch schon am Ende. Danke für das Interview!

A.: OK Siggi, war schön, mit dir zu sprechen!

O.B.

Erst mal Herzlichen Glückwunsch zum Erscheinen eurer neuen Platte „Fein gemacht”. Warum hab ihr euch eigentlich damit so relativ viel Zeit gelassen?
Ja, Hallo erst mal und Dankeschön! Wir haben uns damit relativ viel Zeit gelassen, da wir wirklich etwas besonderes zu unserem 10jährigen Jubiläum machen wollten! Teilweise lag es auch daran, das einige Bandmitglieder umgezogen sind (Potsdam, Berlin), und so leider das regelmäßige Proben auf der Strecke blieb. Außerdem bekamen wir im Jahre 2002 Zuwax in Form eines zweiten Gitarristen (Sven „Angus“ Young), der dann natürlich erst mal auf die alten Sonx eingeprobt werden musste, zwex Konzerte. Durch ihn kam auch frischer Wind (um nicht zu sagen orkangleiche Ideenstürme) in die Band, die wir, in Form neuer Sonx perfekt einspielen wollten. Ein weiterer Grund war Toni (the amazing master of the music), unser Studiokunde, der im Sommer keine Studioarbeit macht, da er nebenbei noch Beschallung bei diversen Festivals macht, die selbstverständlich im Sommer statt finden. Genuch an Ausreden, oder?

Die CD-Version kommt in Eigenregie, die LP-Version erblickt bei Psycho T. Rec. das Licht der Welt. Warum dieser Split? Gibt es Unterschiede bei den Aufmachungen/Versionen?

Die CD-Version kommt in der Erstauflage (1000 Stck.) auf Rockstar Rec. (dem hauseigenen Label) raus, im schnieken Digipack mit 20seitigem Booklet. Weitere Auflagen dann im normalen Plastiktray, aber natürlich trotzdem mit fettem Booklet. Die Erstauflage der LP-Version erscheint bei Psycho T.Rec. in einer handnummerierten 555er Auflage (Gruß an Psycho-Dirk & seine 7 Saxen), als Picture-12inch im Extracover + Bonussong („Am Ende der Straße (Für Steve)“), der bisher auf Vinyl unveröffentlicht ist. Dazu selbstverfreilich ein cooles vollfarbiges Textheft. Weitere Auflagen dann als normale 12inch ohne Bonussong. Der Split bei den verschiedenen Versionen ist natürlich das Geldding. Beide Sachen hätten wir uns einfach nicht leisten können, da das Studio nicht gerade billig war. Wir haben aber bei Dirk (Psycho T.Rec.) einen kompetenten Partner gefunden, der alles nach unseren Vorstellungen gestaltet. Neben der Musik war uns die Aufmachung ja schon immer sehr wichtig, was man bei den alten Veröffentlichungen ja sehen kann. Wir lassen uns halt nicht gerne reinreden, gehört ja auch irgendwie zum Punkdingenz mit dazu, Kontrolle ist alles!!!

Wenn ich mir die Scheibe so anhöre, fällt einem sofort auf, das eure Gitarrenfraktion fetter und ausgefeilter geworden ist. Ist dies eurem neuen Mitstreiter zu verdanken?

Auf jeden Fall! Sven „Angus“ Young ist ein sehr großes Talent an der Gitarre, und wir fühlen uns dazu berufen, ihm, bei O.B. das entsprechende Forum zu bieten. Bei uns kann er sich wirklich ausleben und sein Talent voll zur Geltung bringen, da wir ja mittlerweile alle Musikstile vereinen. MC Fuckin´ Schröder hat über die Jahre auch mächtig dazugelernt und ist an der Rhythmusgitarre die perfekte Ergänzung. Dazu kommt das unser Hausstudio (Eastrentstudio Ellenberg, ehemals Pommern Audio Sudio Greifswald), wo wir außer der ersten Single und dem Demo bisher alles aufgenommen haben, sich technisch auf den neusten Stand gebracht hat, und wir damit völlig neue musikalische Möglichkeiten ausschöpfen konnten, was man auf der neuen Scheibe ja ausgiebig erlauschen kann.

Kommen wir mal zu den Liedchen. 
Vom Motörhead-Cover („Wir sind die Rockstarcrew“, auch auf dem Motörhead-Tribute-Sampler auf Oli & Ela Rec.) über O.B. typischen Punk-Oi! bis hin zur Ballade („Ode an die Nacht“) ist ja stilistisch fast alles vertreten. Auf einer Schiene seid ihr ja diesmal nicht geblieben. Kann man das jetzt Weiterentwicklung oder weg von den Wurzeln nennen?

Für uns ist es auf jeden Fall eine Weiterentwicklung, andere Musikstile auszuprobieren und dennoch den Sprung zu schaffen, den typischen O.B.-Charme zu transportieren. Wenn ich mir die meisten deutschen Punk-oder Oi!-Bands auf ´nem Longplayer anhöre, ist mir das echt zu langweilig, keine Ideen oder nicht den Mut, sich mal an etwas anderes zuzutrauen. Typische Texte, typische Musik, Hauptsache ich entspreche dem Klischee, der Minderheit, der Zielgruppe, dem vorgeschriebenen Codex! Wir wissen imma noch, wo unsere Wurzeln liegen, das ist auf jeden Fall Punkrock ´77, Oi!-Mucke ´82 und Ficken Oi!

Für Wen? ist eigentlich die Ballade und Wer? in Gottes Namen verbirgt sich hinter dieser netten Frauenstimme?

Der Text ist komplett für Janet (Bachus´ Freundin) geschrieben. Und ´ne coole Ballade musste einfach mal sein. Die nette Frauenstimmen bei „Ode an die Nacht“ heißt Antje und ist ´ne echt ausgebildete Sängerin. Watt wir so alles am Start haben, cool, oder?

In einigen Texten kommt ja immer wieder die Rockstarcrew zur Sprache. Was verbirgt sich genau dahinter?

Hinter der Rockstarcrew verbirgt sich einfach die Neubrandenburg-Potsdam-Berlin-Axe! Echte Freunde(innen),coole Leude, durchdreh´n, Spaß hab´n und über Jahrzehnte hinweg einen gemeinsamen Nenner finden! Es ist einfach nur ´ne Clique, die den selben Background hat und durchzieht! Zu der Rockstarcrew gehören die Bands O.B. + The Golden Boys, das Fanzine Stupid over You und das Label Rockstar Records! Haufen Abschaum, der keine Fragen stellt, warum ist diese, unsere, beschissene Welt, so wie sie nun mal ist! Der einfach sein Leben lebt, fernab von Angepaßtheit und Fernsehverblödung!

O.B. war und ist ja immer eine Liveband gewesen die antritt dem Publikum einen netten Abend zu bieten. Wie sieht’s mit Konzerten zur Platte aus? Stehen schon feste Termine?

Es gibt im (Frank) Herbst, (watt ´n Kalauer!), ´ne fette Promotour am Start für die „Fein gemacht“! Da kommen wir auch mal in den goldenen Westen, für alle die auf Ost-Punk-Oi!-Tampon Rock´n´Roll stehen! München, Wien, Stuttgart and the Rest from Naziland! Wir sind immer noch die Vorzeige-Ballermannn-Band und haben auf jeden Fall den König der Bekloppten (Bachus) als Frontsau im Gepäck.

Bisher habt ihr sehr wenig im Westen musiziert, warum? Wie waren eure bisherigen Erfahrungen?Bisher habt ihr sehr wenig im Westen musiziert, warum? Wie waren eure bisherigen Erfahrungen?

Wir waren bisher dreimal im Westen (Lübeck, Hechingen + Villingen). War auf jeden Fall imma geil, obwohl die Wessis nicht so durchdrehen können, wie unsere Landsleude. Du musst mal in Saxen auf ein Konzert fahren, der absolute Hammer, nur bekloppte Kunden (Crazy United!!!). Der Grund das wir so wenig im Westen unterwegs sind, sind halt die fehlenden Kontakte ins Nachbarland BRD. Aber das ändert sich ja in diesem Jahr (siehe Frage 7).

Ihr seit nun 10 Jahre fleißig am rocken. Was meint ihr hat, hat sich in dieser Zeit in der Szene geändert? Hat man es heute leichter als junge Band?

Auf keinen Fall, viel schwerer! Als wir 1992 begannen, gab es nicht viele Bands im Punk-und Oi!-Bereich (Volxsturm, Smegma, Pöbel und Gesocks, Bierpatrioten), man brauchte bloß ein Demo aufnehmen und es verschicken und man bekam Konzerte, Samplerangebote, Plattenverträge hinterhergeworfen. Heutzutage musst du dich richtig kümmern als aufstrebende junge Band, weil es zu viele Kapellen auf dem Markt gibt. Da blick ich ja als Fanzineschreiber manchmal schon nix mehr durch, wie soll da der potentielle Käufer den Überblick behalten. Oder du musst dich halt, wie wir es jetzt 10 Jahre lang praktizieren, aus der riesigen Masse hervorheben, mit Texten, Aufmachungen der Veröffentlichungen und musikalischen Grenzauslotungen. Und der Erfolg gibt uns ja Recht!

Last Wörter/Kontaktadresse:A message to all Fleppenabgeber:“Don´t drink and drive und bist du wieder steif, dann laß den Wagen steh´n, musst zu Fuß nach Hause geh´n.“
Gruß an alle Punk-Oi!-Tampon Rock´n´Roller! Dank an Frank für´s Interview! Wir sehen uns hoffentlich alle bei einem gemütlichen O.B.-Konzert in deinem Stammclub. Die neusten Konzertdaten und alles zur neuen CD/LP „Fein gemacht“ (natürlich mit einigen Downloadstücken, wer kauft die Katze schon im Sack!) unter:
www.rockstarcrew.de
Kontaktadresse:
T. „Bachus“ Bachmann
Kastanienallee 18
14471 Potsdam
Tel.: 0331/96 79 262
ob@rockstarcrew.de
Besucht auch unseren Onlineshop mit Tonträgern von O.B. (z.B. LP „Pellkartoffeln mit Butter & Quark“ für 9,00 €, MLP „P 18“ für 8,00 €), haufenweise Merchkram (z.B. verschiedene Buttons je 1,00 €, gestickter Aufnäher für 4,00 €, T-Shirts für 12,00 €) und natürlich das Stupid over You-Abo für 15,00 € (4 Ausgaben mit CD-Beilage).“It´s time to smash your face with your fuckin´88!!!“
Bachus (09/03)
“Don´t drink and drive und bist du wieder steif, dann laß den Wagen steh´n, musst zu Fuß nach Hause geh´n.“
Gruß an alle Punk-Oi!-Tampon Rock´n´Roller! Dank an Frank für´s Interview! Wir sehen uns hoffentlich alle bei einem gemütlichen O.B.-Konzert in deinem Stammclub. Die neusten Konzertdaten und alles zur neuen CD/LP „Fein gemacht“ (natürlich mit einigen Downloadstücken, wer kauft die Katze schon im Sack!) unter:
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Bachus (09/03)

REAL MCKENZIES

Real McKenzies Interview - Siggi rückt Paul mit ein paar Fragen zu Leibe 

Zuerst war ich zugegebenermaßen doch etwas kribbelich, weil ich so ganz in Eigenverantwortung noch nie ein Interview gemacht hab und dazu dann noch mit jemanden, der nich meiner Sprache mächtig ist. Normalerweise kann man der Nervosität ja entgegenwirken, indem man sich ne gehörige Portion Mut antrinkt und dann geht das mit dem Englisch meistens auch fast wie von alleine…Aba ich hatte mal wieder die ungnädige Aufgabe unseren Kahn später wieder sicher in den heimischen Hafen zu lenken und so saß ich dann mit unkontrolliert wippenden Knien im Biergarten vorm Altenberg und nippte hier und da mal an nem Gerstensaft. Schließlich gesellte sich Paul zu mir und entpuppte sich dann doch tatsächlich als very charming Guy. (Zwischendurch schaute auch mal der Rest von der Band vorbei und amüsierte sich königlich über einen von mir mitgebrachten Scotsmen Katalog, in dem man  allerlei schicke Kilts plus Zubehör bestellen konnte…) Aber zur Sache:

Siggi: Ihr habt gestern Abend in Berlin gespielt?

Paul: Ja, im Wild At Heart. Sie haben live Aufnahmen gemacht und bringen ein neues Album raus. Dafür haben sie von jeder Band einen Song aufgenommen. Am Anfang hatten wir noch einen guten Sound, aber dann tropfte mir der Schweiß nur so ins Mikro und es wurde mieser und mieser. Scheiße aber auch!

S.: Ihr Jungs kommt ja aus Vancouver. Seid ihr eigentlich lieber auf Tour oder zu Hause am heimischen Herd?

P.: Ja, wir leben in Vancouver. Ursprünglich kommt meine Familie aus Inverness in Schottland. Da gibt es eine Menge McKenzies. Es ist quasi McKenzie Territorium. Wenn du dir die Clan Karte ansiehst, ist es in riesiges Gebiet. Aber natürlich gibt es Zeiten, wenn ich einfach nur auf meinem Bett liegen will, mir Klassische Musik anhöre, den ganzen Tag Rotwein trinke und eine nette außerkörperliche Erfahrung nach der anderen habe. Aber eigentlich ist Touren mein Leben und mein Ziel und wenn wir ein Album rausbringen und die Tour 8 oder 9 oder 10 Monate dauert, dann ist das eben so! Und kein Gejammer dabei! Manchmal denke ich zwar, mein Lifestyle löst mich in meine Bestandteile auf, aber dann denke ich wieder: Kein Gejammer! Und gehe einfach wieder an die Arbeit.

S.: Habt ihr eigentlich normale Jobs, wenn ihr gerade nicht tourt?

P.: Ja, hatte ich. Aber jetzt ist eben die Band mein „normaler Job“. Und zwischen den Touren ist Arbeit ziemlich knapp. Viel Konkurrenz. Gerade in den Bereichen, in denen ich eine Ausbildung habe, gibt es viel davon und ich bin einfach schon zu lange raus aus dem Geschäft. Wahrscheinlich habe ich einfach schon so lange getourt, dass ich veraltet bin. Also muss ich eben nehmen, was an Jobs gerade so kommt. Es gibt da eine Sache, die zwar ziemlich gefährlich ist, aber dafür auch gut bezahlt wird. Ich kann einfach hingehen, den Typen anrufen und am nächsten Tag antreten. Die zahlen 25$ die Stunde – dafür, dass ich an Wolkenkratzern rumbaumel und die Fenster putze.

S.(ungläubig staunend): Fuckin´ Hell! Darüber hab ich letztens einen Bericht im Fernsehen gesehen!

P.: Ja, du musst einfach vorsichtig sein, darfst dir keinen Fehler erlauben und alles ist gut. Aber wenn du verkatert oder besoffen bist, bleib lieber mit dem Arsch im Bett! Wenn du so was machst, such dir ´nen anderen Job… Wenn ich auf Tour bin, steht mir das Bier meist bis Unterkante Oberlippe, aber zu Hause ist es mal ne nette Abwechslung, nüchtern zu bleiben. Ich liebe es zu arbeiten, ich habe eine gute Arbeitsmoral und genau das ist der Grund, warum es die McKenzies gibt. Aber, ja, es ist ziemlich straight, nach Hause zu kommen und für zwei Wochen wieder normal zu sein. Und dann wieder ab in den Bus, you know…

S.: Wie oft seid ihr in Schottland?

P.: Wir fahren so oft wir können hin! Leider hat´s auf dieser Tour nicht geklappt. Aber es steht schon fast fest, dass wir diesen Herbst wiederkommen und dann werden wir auf jeden Fall auch Schottland touren, weil wir es einfach lieben. Meine letzte etwas verschwommene Erinnerung an Schottland ist echt cool, wenn auch etwas albtraumhaft, weil ich in Schottland eingeschlafen bin und in England wieder aufwachte… (S.: uiuiuiuiui!) Also ich kam zu der Show und diese Jungs haben so eine Scheiß-altertümliche Art und da lehnten diese eingekerbten Schwerter an der Wand und als ich zur Tür reinkam, drehten sie sich mit ihren Flaschen in der Hand zu mir um und meinten: „Oh, du musst unbedingt den Scotch von meinem Opa probieren!“ und „Hey man, trink niemals zu viel, aber trink auch niemals zu wenig…“ …Wir lieben Schottland. Meine Fingernägel sind andauernd abgebrochen, weil sie mich da immer wieder rauszerrern müssen! Und sie lieben uns! Die Leute, die die Shows in Schottland machen – Jocko, Shirley und ihr Hund Annie sind einfach großartig, genauso wie ihre Freunde und sie machen es uns dort immer so angenehm wie möglich.

S.: Und was denken die restlichen Schotten so über euch?

P.: Also am Anfang wussten sie nicht recht, ob sie uns auf die Schulter klopfen, oder die Scheiße aus uns rausprügeln sollten. Aber nach der ersten Show haben sie doch erkannt, wo wir herkommen und dass wir eigentlich zur Familie gehörten. Es gibt so viel schottische Kultur in Kanada, unglaublich viel. Einer der längsten Flüsse der Welt heißt bekanntermaßen McKenzie River und er verläuft durch das nördliche British Columbia und fließt schließlich in den Fraser, was auch ein schottischer Name ist… Wir sind einfach überall, ich könnte dich unendlich lange damit langweilen.

S.: Oh, schon OK. (räusper, grins…) Ich habe einmal ein schottisches Mädel kennen gelernt, habe aber wegen des beinharten Akzents kaum ein Word verstanden. Verstehst du als kanadischstämmiger Schotte jedes Wort?

P.: Ja, weil meine Großeltern und meine Eltern mir beigebracht haben so zu sprechen, obwohl ich normalerweise nicht so spreche. (S.: Gottseidank!) Aber es kann schon mal vorkommen, dass ich anfange Gälisch zu sprechen, wenn ich echt betrunken bin. Da gibt´s ne kleine witzige Anekdote zu: Als ich mal ne Zeit lang in Seattle, Washington wohnte, dachten meine Freunde, ich würde total schnatterich sprechen, aber dann erkannte einer, dass es Gälisch war und sie besorgten sich so ein kleines Wörterbuch um mich zu verstehen…hehe…

S.: Sag mal was gälisches!

P.: (Fängt zu meiner Belustigung an, irgendwas in gälisch zu schnattern)

S.: (als ich mich wieder eingekriegt habe) Aber mal im Ernst. Ihr seid offensichtlich stolz auf eure Herkunft. Was denkst du über Patriotismus?

P.: Ich denke, dass es da verschiedene Stufen gibt. Patriotismus auf der einen Seite ist wie orange und Nationalismus auf der anderen befindet sich schon im roten Bereich und ist alarmierend. Und man muss sich fragen – wo fängt es an, wo hört es auf. Meiner Meinung nach werden viele Dinge besser, wenn du auf dein Milieu stolz sein kannst und einfach die guten Dinge mitnimmst, egal woher du kommst. Viele Leute haben einfach nicht die Möglichkeit, zu tun was ich tue – ich reise durch die ganze Welt und sehe all die verschiedenen Leute mit verschiedenen Hautfarben, verschiedene Regierungen usw. Und wenn die Dinge außer Kontrolle geraten (wie z.B. das, was gerade in Nord Amerika passiert – und ich denke, wir wissen alle, wovon ich spreche), dann sehe ich das wie eine Krankheit. Ich weiß nicht, warum die Leute nicht einfach miteinander auskommen können. Und ich bin wirklich angepisst von den Typen, die sich Diplomaten schimpfen, aber eigentlich nichts weiter sind als verdammte Faschisten. Sie sind Diplomaten, also warum zum Teufel verhalten sie sich nicht diplomatisch und machen ihren verdammten Job, genau wie ich meinen mache. Aber Patriotismus wie ich das sehe ist, wenn eben diese Scheiße außer Kontrolle gerät. Es ist beängstigend und ich hasse es! Und ich denke, ich kann da für die ganze Band sprechen. Ich persönlich habe meine Hochs und Tiefs wie jeder andere auch aber ich bleibe meiner Überzeugung treu. Und – die Sache ist die – ich bin bereit, dafür zu sterben! Sind sie es auch?…

S.: Wenn ihr Schottland und eure Herkunft so sehr liebt, wieso lebt ihr dann nicht da?

P.: Wieso lebe ich nicht in Kanada? Es ist nur meine Postadresse. Da drüben steht ein blauer Truck und da lebe ich. Ich bin on the road und wir haben so ein hartes Tourprogramm, dass ich mir einfach ein Postfach irgendwo zulegen werde.

S.: Die McKenzies gibt es seit 1992, also seit ihr schon seit 11 Jahren zusammen unterwegs?

P.: (staunend) Wow, elf Jahre…

S.: Ja, wow, eine echt lange Zeit….

P.: Schon komisch, wie die Zeit vergeht, wenn du Spass hast.

S.: Jetzt zu der Frage, die ich schon immer mal einem „Schotten“ stellen wollte: Wie steht´s mit dem Vorurteil, dass Schotten geizig sind?

P.: Lass dir gesagt sein, dass es in diesen Tagen der politischen Correctness immer irgendwelche Leute gibt, die mit erhobenem Zeigefinger aufstehen und sagen: blah blah blah. Aber weder die Schotten noch die Iren geben einen Scheiß darauf. Es gibt viele solcher Vorurteile, die man aber nicht ernst nehmen kann und über die wir einfach nur lachen. Ich bin Schotte. Ich bin sparsam. Ich will nichts verschwendet sehen. Aber ich bin nicht geizig! Ich denke, das ist, was die Leute verwirrt. Und ich werfe nichts weg. Ich produziere sehr wenig Müll, weil ich alles irgendwie gebrauchen kann…aber ich werde diese Flasche hier in den Müll werfen, wenn sie leer ist, you know what I mean? (S.:äh…lächeln, nicken…) Wenn wir über Großzügigkeit reden, dann gibt es in Schottland etwas, das sich „highland hospitality“ nennt. Wegen dem rauen Wetter war es früher gesetzlich festgelegt, dass wenn jemand an deine Tür klopfte, du ihn reinlassen und dich um ihn kümmern musstest. Aber ich denke, so was wäre auch ohne Gesetz passiert, denn die Schotten sind einfach fürsorgliche Leute. Ich meine, natürlich gibt es überall Arschlöcher, aber ich bewege mich in Punkrockkreisen auf der ganzen Welt und zu meinem Glück gibt es da ziemlich wenig Arschlöcher. Jeder ist wirklich wirklich verdammt cool.

S.: Hast du jemals mit Shane McGowan rumgehangen?

P.: Ich hatte einen Gig mit Shane und alles was ich sagen kann, ist, dass ich mich über einige Dinge, die Shane getan hat, ziemlich aufgeregt habe. Allerdings ist es echt traurig mit anzusehen, wie sich so ein genialer Künstler selbst zugrunde richtet. Es ist herzzerreißend! Wirklich schlimm, obwohl die Band exzellent ist. Ich sage, was ich denke, you know, und ich würde diesem Motherfucker liebend gerne in den Arsch treten, ihn mit auf Tour nehmen und ihn gesund kriegen! Naja, und ich würde ihm ein paar verdammte Zähne besorgen, so dass er regelmäßig Nahrung aufnehmen kann. Das ist das, was ich tun würde, aber er würde es niemals zulassen. Ich habe einen immensen Respekt vor diesem Mann und es ist einfach so verdammt schade, dass sich dieser großartige Typ so kaputt macht. Und er wird sterben. Ganz sicher. Sinead O´Connor hat mal mit ihm gearbeitet und sie sagt dasselbe. Er gibt einfach einen Scheiß auf sich und das ist so traurig, weil ich viel von ihm halte, aber ihm nicht helfen kann, weil ich hier bin. Selbstmord hat viele Gesichter. Ob es eine Flasche oder eine Knarre ist, spielt keine Rolle. Und deshalb frage ich mich, (P. kommt ins philosophieren…)ob all diese exzessiven, selbst zerstörerischen Individuen aufgrund eben dieser Einstellung zu Genies werden. Sieh dir z.B. all die toten Rockstars an, die viel zu jung starben: Buddy Holly, Eddie Cochran…Dann sehe ich auf mich und ich bin alt, zu alt um jung zu sterben, aber ich habe diese Einstellung immer beibehalten. Aus diesem Grund haben wir auch den Song „Droppin´ like Flies“ für all die toten Rockstars geschrieben, denn sie waren alle Punkrocker ihrer Zeit!

S.: Was denkst du über Filme, wie „Braveheart“ oder „Trainspotting“?

P.: Ich denke, „Braveheart“ gibt den Leuten eine Einblick in die schottische Geschichte. Die Engländer haben Schottland ethisch gesäubert und was sie den Frauen und Kindern dort angetan haben, bricht mir das Herz.

S.: Bei dem Film musste ich so oft heulen!

P.: In dem Lied „The Night The Lights Went Out In Scotland“ heißt es: “I´m not laying the blame on anyone alive today, but the crimes that lie in history shout about the night the lights went out in scotland!” (S.: Klingt im Original immer besser!) Und das nimmt halt Bezug darauf. Ich zeige nicht mit dem Finger auf irgendwen, aber ich will, dass die Leute niemals vergessen, was passiert ist. Und wenn die Zeit kommt, dann sage „Nein“! Und wenn du es  rausschreien musst, dann schreie eben „Nein!“. Aber wenn dich „Braveheart“ bewegt, dann lass mich dir sagen, dass es da so viele bessere, wahre Geschichten gibt. Die echte Geschichte ist sowieso am Besten, auch wenn sie mit dem Film einen recht guten Job gemacht haben. Wenn es um Filme geht, mag ich Hollywood nicht besonders. Es geht nur darum: Was sich verkaufen lässt, wird auch produziert! Es hat mich ziemlich überrascht, dass sie überhaupt einen Film wie „Braveheart“ gemacht haben. In Hollywood gibt es keine produktiven Drehbuchautoren mehr, nur noch Statisten. Und das ist Mist, denn Filme sind eine Art von Kunst und sobald die kommerzialisiert wird – sieh dir nur mal die kommerzielle Musik an – ist das Scheiße. Und Hollywood bewegt sich eben auf diesem Level. Deshalb sind meiner Meinung nach auch die meisten Hollywood Filme Scheiße.

S.: Und was hältst du dann von „Trainspotting“?

P.: Dieser Film ist für mich ein zweischneidiges Schwert, wegen dem ganzen Junkie Ding. Kids könnten sich den Film ansehen und sagen: „Wow, ich will auch in einer Toilette schwimmen!“ Und das ist eben eine Fehlinterpretation der eigentlichen Message. Aber ich habe das Buch gelesen und fand es ziemlich gut. Ich bin ein riesiger Irvine Welsh Fan und ich liebe den Soundtrack und die Art, wie der Film gedreht wurde usw., aber ich hasse dieses verdammte Junkie Ding! Ich hab´s niemals ausprobiert, aber ich hab viele Freunde dadurch verloren und es war eine schmerzhafte Erfahrung, zu sehen, wie die Leute daran zugrunde gingen und starben. Ich denke, „Trainspotting“ ist eigentlich ein anti-Junk Film. Das ist meine Interpretation und zwar, weil ich anti-Junk bin. Ich hab das Buch zweimal gelesen und es sagt einfach, wie es ist. Und die Schotten hatten ein riesen Problem damit. All diese eigensinnigen Kids, die nichts besseres zu tun haben, als das nachzumachen. Aber wenn du nichts hast und nicht weißt, wohin – wieso nicht?

S.: Naja, hierzulande sind die meisten Junkies keine Kids mehr, sondern eher gescheiterte Existenzen so um die 30-40…

P.: Unglaublich, dass sie die Scheiße noch nicht hinter sich gelassen haben!

S.: Also, ich denke, die machen das schon seit sie 20 sind…

P.: Wenn du mal drüber nachdenkst – und das habe ich getan – also wenn du deine Glückssensoren überstrapazierst (und wir sind ja alle nur Kinder Gottes) dann brennen sie einfach aus. Und wer will schon so verdammt ausgebrannt sein? Dafür hab ich einfach zu viel Spaß! Ich bin eben ein Bier trinkender Punkrocker.

S.: Hey, dieses Ausbrennen erinnert mich an einen dieser Hollywood Filme („Highlander“), wo der Böse irgendwann sagt: „Es ist besser auszubrennen, als zu verblassen!“

(Gelächter…)

S.: Matt ist ja gerade nicht anwesend, aber weißt du, wie lange es dauert, Dudelsack spielen zu lernen?

P.: Naja, ich spiele ja nicht selber, aber ich kann für viele Dudelsackspieler sprechen, denn ich hab schon mit vielen vielen zusammengearbeitet, seit ich ein Real McKenzie bin. Das Dudelsackspielen hat einen militärischen Hintergrund und so werden die Jungs auch trainiert. Und sie stehen in harter Konkurrenz zueinander. Wenn du dir z.B. Matt und jemanden wie Spicy McHaggis ansiehst, könnte man sie mit zwei Katzen vergleichen: Grrrrrrrrrrrrrr….! Aber das liegt eben in der Natur der Sache. Es ist altertümlich. Vieles der schottischen Geschichte wurde so bewahrt, denn nach der Schlacht von Culedon (?) war alles schottische illegal. Wenn du nur mit einem kleinen Stück Schottenkaro erwischt wurdest, konnte dir dafür der Kopf abgeschlagen werden. So war das Gesetz damals und es war schrecklich. Die Engländer wollten die schottische Kultur zerschlagen und es ist eine interessante Tatsache, dass so viel davon in Pebragh (?) eingeflossen ist. Pebragh ist eine Art singender Dudelsacksound, der sich heute nicht mehr wegdenken lässt und es ist sehr wichtig für uns diese Musik zu machen.

S.: War es sehr schwierig, einen Punkrock-Dudelsackspieler zu finden?

P.: Schon komisch, dass du das fragst. Als wir angefangen haben, unser Ding zu machen, wussten wir, sie würden uns finden. Ich habe von Matt gehört, als wir gerade durch Winnipeg unterwegs waren. Ich tätigte ein paar Anrufe und sagte ihm, er soll sich die Show ansehen und dann hat es ihn einfach gepackt – man könnte auch sagen, wir haben ihn einfach gepackt und jetzt ist er hier. Damals hatte er einen riesen Iro, Piercings – und war nicht gerade der beste Spieler, den man sich vorstellen konnte… Aber um noch mal auf den militärischen Hintergrund zu kommen – viele von diesen Jungs sind echt cool und ich liebe sie wirklich, aber sie gehören einfach nach Hause und nicht auf Tour. Ich muss meinen Hut vor Matt ziehen, denn er hat Frau und Kind zu Hause und das ist ziemlich hart für ihn. (S.: jaja, aber bestimmt nicht für all seine weiblichen Fans…) Jedenfalls unterstützen sie ihn nach vollen Kräften und ich hätte keinen besseren Dudelsackspieler finden können.

S.: Und wie lange spielt er schon mit euch?

P.: Ein paar Jahre und es ist großartig, weil er mittlerweile scheiße gut geworden ist. Ich habe schon mit vielen Musikern zusammengearbeitet und du kannst zwar an deinem Instrument feilen um besser zu werden, aber wenn dein Charakter nicht stimmt, nutzt das alles nichts. Ich spiele lieber mit coolen Leuten zusammen und gebe ihnen die Möglichkeit, bessere Musiker zu werden, als mit jemandem zu arbeiten, der zwar begnadet ist, aber ansonsten ein Arschloch! Ich denke, du weißt, was ich meine. Es ist einfach unmöglich mit so jemandem 8-9 Monate im Jahr auf Tour zu gehen.

S.: Anderes Thema: Wie kamt ihr eigentlich zu Plastic Bomb Records?

P.: Wir haben die Jungs vom P.B. durch Mutti kennen gelernt, als wir zum ersten Mal hier auf Tour waren. Wir verstanden uns auf Anhieb ganz gut und arbeiteten einen Deal aus. Das hat damals funktioniert und das tut es auch noch heute. Etwas, das mir an dem Vertrag besonders gut gefallen hat, war die Klausel, dass wir versprechen mussten, niemals schlecht über den anderen zu reden und Freunde zu sein.

S.: Naja, aber die Plastic Bomber sind dafür bekannt, dass sie öfter mal schlecht über andere reden. Manche haben´s verdient, manche nicht…

P.: Über uns lästern sie nicht, denn das wäre ja Vertragsbruch! Ich bin zwar nicht oft hier, aber wenn, dann sind sie immer OK.

S.: Klar, einen seltenen Gast behandelt man immer freundlich; speziell, wenn das vertraglich festgelegt ist…

P.: Also, wenn du in dem Geschäft bist und mit allen möglichen Arten von Leuten zu tun hast, gibt es immer Meinungsverschiedenheiten. Aber ich bin froh, in dem Geschäft zu sein und mich nicht oft mit so was rumschlagen zu müssen. Ich bin nach der Show gerne am Merch-Stand, unterhalte mich mit den Kids und unterschreibe Poster. Viele dieser Typen erinnern mich an mich selbst als ich ein Kiddie war. Ich lief damals (1976) von zu Hause weg und machte mich auf den Weg nach Texas um die Sex Pistols zu sehen und als ich sie treffen wollte waren sie so verdammt blasiert, dass ich mir geschworen habe, niemals so zu werden – und das bin ich auch nicht. Da waren gerade z.B. diese drei kleinen Punkrockmädels und ich fragte sie: „Hey, kommt ihr zu unserer Show?“ Und sie sagten: „Nee, zu teuer!“, also hab ich sie auf die Gästeliste gesetzt und sie sind reingekommen. Sie sind eben genau wie ich ´76 gewesen bin und das vergesse ich nie!

S.: Ich hab die Pistols auch mal gesehen, aber das war 20 Jahre später und sie waren einfach nur scheiße!

P.: Sie sind zwar großartige Musiker, aber meiner Meinung nach sind sie einfach nur verdammte Arschlöcher.

S.: Dem kann ich nur zustimmen. Äh, nun zu einem Thema, zu dem ihr bestimmt recht selten befragt werdet: Der Kilt. Trägst du ihn eher aus traditionellen Gründen oder der Bequemlichkeit wegen?

P.: Wie du sehen kannst, bin ich im Moment fast der einzige in der Band, der einen Kilt trägt. Aber bei diesem Wetter liebe ich es! Man sagt, kühl im Sommer, warm im Winter. Wenn du im Sommer auf eine bestimmte damit rumläufst, kannst du die Falten wie einen Blasebalg benutzen. Ich trage meinen Kilt, weil ich einfach verdammt gut darin aussehe und weil ich das Muster der McKenzies liebe. Ich bin damit groß geworden! Ja, ich wuchs auf, eingewickelt in diesen Tartan. Obwohl, wenn ich meinen Kilt als Junge getragen hätte, dann hätten mich die anderen Jungs bestimmt verprügelt.  Ich denke, ich wurde von meinen Eltern damit gequält. Heute gefällt es mir einfach. Wusstest du eigentlich, dass die Franzosen die Hose erfunden haben? Deine gefällt mir übrigens sehr gut.

S.: Charmeur! Aber auch, wenn ich lieber Hosen als Röcke trage, mag ich trotzdem keine Franz(h)osen.

P.: Weißt du, Frankreich ist echt schön, nur schade, dass es da so viele Franzosen gibt… Nein, ich hab auch schon wirklich nette Franzosen getroffen, aber das waren alles Punkrocker.

S.: Glaube ich dir sofort, aber wenn du z.B. in Paris bist und jemanden in Englisch oder Deutsch nach dem Weg fragst, von dem du gerade mitbekommen hast, dass er einer der beiden Sprachen mächtig ist, dann versteht er plötzlich kein Wort mehr. Sehr unfreundlich!

P.: Sie sind rassistisch in Bezug auf deutsche und sie sind Arschlöcher. Aber das bringt uns wieder zurück zu diesem patriotisch nationalistischen Zeug und da muss man einfach drüberstehen. Wenn die Welt und ihre Kultur weiterbestehen sollen, dann muss man einfach aufhören, so zu denken.

S.: Sehr richtig. Aber noch mal zurück zu den Kilts. Versuchen eigentlich viele Leute, mal unter den Rock zu grabschen? Speziell Betrunkene oder Mädels? Oder auch betrunkene Mädels?

P.: Also da gibt es jede Menge Zwischenfälle. Stell dir mal vor, du wärst ich. Und du müsstest diese Frage beantworten. Natürlich passiert so was. Aber wenn man respektvoll drunter schaut, dann ist es OK…und neckisch… Versuch´s mal!

S.: (lange habe ich auf diese Gelegenheit gewartet und ich bin nicht enttäuscht worden!) Ha ha! Cool, ein rasierter Sack. Kann mein Freund Bomber hier vielleicht ein Foto machen?

P.: Nein, es sei denn, du kannst ne Menge Asche locker machen. Meine Band hat Hunger!

S.: Mist, ich bin doch nur ein armes Schreiberlein! Fragen euch eigentlich viele Leute, was ihr drunter tragt?

P.: Ja, und eigentlich bleibt diese Frage nie unbeantwortet. Du musst bedenken, dass es nicht im traditionellen Sinne ist, etwas unter dem Kilt zu tragen. Wenn du es trotzdem machst, verspottest du damit die Tradition. Es interessiert mich dabei nicht, wie kalt es ist, aber manche Leute tragen lange Unterhosen drunter und einmal hat Matt in Stuttgart einem Jungen die Unterwäsche wie ein wild gewordener Rasenmäher vom Leib gerissen.

(Anmerkung von mir: Wenn das so ist, dann werd ich beim nächsten Konzert auf jeden Fall Kilt mit langen Unterhosen tragen!)

Dann kurze Pause, weil Matt mit einem kanadischen Joint auftaucht und ihn mir in die Hand drückt… Nachdem wir alle tief durchgeatmet haben, fängt Paul an, einen Mukkivergleich zwischen meinen und seinen Oberarmen zu ziehen, bei dem ich natürlich haushoch verliere.

P.: Fühl mal bei mir! (S.:haha…-huiuiui!) Das kommt davon, wenn man jeden Tag sein gesamtes Equipment selbst ein- und ausladen muss… aber das ist eben Punkrock!

S.: Ich persönlich bemühe mich ja, jede Art harter körperlicher Ertüchtigung zu vermeiden… Meistens jedenfalls… Aber um mal wieder auf den Punkt zu kommen: Steht ihr eigentlich jemals nüchtern auf der Bühne?

P.: Also – nein! Und obwohl ich manchmal keinen Alkohol trinke, macht mich alleine schon das Gefühl auf der Bühne zu stehen so high… Ich meine, glaubst du etwa, ich tue das des Geldes wegen? Nein, es ist einfach die Kombination von Alk (und wenn es nur ein kleines bisschen ist) und Adrenalin. Toxisch! Ab und zu kiff ich auch ein wenig, aber z.B. als wir die Band gerade gegründet haben, waren wir alle bei jedem Auftritt sturzbesoffen. Mittlerweile brauch ich das nicht mehr in dem Ausmaße, weil ich einfach diese Einstellung angenommen habe. Ich brauche auch keine chemischen Drogen mehr, weil ich das alles schon kenne und hinter mir habe. Dafür könnte ich den ganzen Tag lang Bier trinken. Ich glaube, dass jemand anderes, der so viel trinkt wie ich oder ein anderer aus der Band, schon ziemlich betrunken sein müsste…. Aber wir fühlen uns in Deutschland wie im Himmel, weil das Bier wirklich gut ist.

S.: Also, was ist eigentlich besser – deutsches oder schottisches Bier?

P.: Deutsches Bier ist das Beste in der ganzen verdammten Welt! Wusstest du das nicht??

S.: Wirklich?? Ich trink nicht so viel Beer…ich steh eher auf Cocktails!

P.: Glaub mir, ich war schon überall auf der Welt und habe alle möglichen Biersorten getestet. Das deutsche Reinheitsgebot ist das strengste Braugesetz der Welt und deshalb kannst du auch trinken und trinken und trinken, ohne das dir davon schlecht weil das Bier nicht gepanscht ist. (strahlt) Es ist einfach das verdammt beste Bier der Welt!

Tim: (wollte nur unter der Bedingung mitkommen, wenn er auch mal eine Frage stellen darf und jetzt ist der große Zeitpunkt gekommen): Hast du jemals auf Koks gefickt?

P.: Ob ich jemals auf Koks gefickt hab? Ja, aber eher selten. Meiner Philosophie nach hat alles seinen Grund. Jeder Mensch ist anders und es sollte jedem erlaubt sein, zu tun was er will. Jede Art von Unterdrückung ist ein Verbrechen und ich ficke auf jeder Droge, aber immer in Maßen und mit einem Grund, weil ich weder sterben, noch jemand anders verletzen will. (lacht) I don´t wanna fuck up and I wanna do it again!

S.: Hm, muss das irgendwann mal ausprobieren…

P.: Ich denke, das solltest du. Aber lass dir gesagt sein, dass auf Koks zu ficken erfahrungsgemäß… na ja, sagen wir, wenn du genug davon hast, und zuviel davon nimmst… spielt dein kleiner Freund nicht mehr mit… (untermalt seine Aussage mit sehr bildhaften Gesten) Und das ist dann einfach nur S-A-D.

S.: (grinst) Ich denke, mir ist leider niemand bekannt, der genug Kohle hat um so viel Koks zu kaufen…

P.: Deshalb mache ich´s auch nicht so oft. Und weil ich den Scheiß nicht brauche. Das Leben ist ein Lernprozess und ich bin immer noch hier. Wenn du auf die Schnauze fällst, aber trotzdem aus deinen Fehlern lernst, bist du nicht wirklich ein Loser. Obwohl man manchmal ganz schön hart auf die Schnauze fallen kann. Ich z.B. rauche nicht. Dann könnte ich nicht das machen, was ich mache. Niemals! Wie viel kosten die Dinger eigentlich heutzutage? 

S.: 3 Euro 25 Cents.

P.: In England kostet ´ne Schachtel 6 Pfund.

S.: (seufz!) Ja, und nächstes Jahr hauen uns die Schweine noch nen Euro drauf.

P.: Und da raucht ihr noch??

S.: Manchmal fällt ´ne Stange vom Laster…

P.: Soll ich dir (als Schotte) mal was über Sparsamkeit verraten? Obwohl ich schon 42 bin, erinnere ich mich noch gut daran, als ich geraucht habe. Die Schachtel sollte damals einen Dollar kosten und ich hab gesagt: „Das ist zu viel!!!“ und hab aufgehört. (S.: Jaja, wenn es denn so einfach wäre…!“) Und wenn ich mir heute die ganzen Punkrocker ansehe, speziell die echten P C Freaks, die sagen: „keinen Pelz, kein Fleisch essen und blah blah blah“, die rauchen trotzdem Marlboro! Fick ´ne Ziege! Wenn sie ihre Überzeugung wirklich vertreten würden, wären sie nicht so schizo. Ich für meinen Teil bin überzeugt davon, dass die Zigaretten-Industrie die hinterhältigste der Welt ist.

S.: Ja, aber es ist eben nicht so einfach aufzuhören, gerade wenn jeder deiner Bekannten dir alle paar Sekunden ´ne Kippe anbietet, wenn du trinkst, feierst…ohne Qualm ist das einfach nicht das selbe.

P.: Aber dich wird verdammt noch mal ein schrecklicher Tod ereilen!

S.: Stimmt, aber das kann dir bei ungeschütztem Geschlechtsverkehr auch passieren.

P.: Persönlich will ich nicht politisch korrekt werden, weil ich daran glaube, dass jeder machen soll, was er will, aber andererseits werde ich gezwungen passiv zu rauchen und das gefährdet meine Gesundheit. Aber hier bin ich nun mal und trete in europäischen Punkrock Läden auf. Dabei stehe ich auf der Bühne jedes Mal voll im Dunstschleier und atme den Dreck ein, wenn ich singe. Also bin ich technisch gesehen doch Raucher. Es ist, als wenn ich jeden Tag zwei verdammte Schachteln rauchen würde, obwohl ich eigentlich Nichtraucher bin.

S.: Ist es in Kanada eigentlich auch verboten, in den Clubs zu rauchen, wie in den USA?

P.: Ja, schade, dass das hier nicht so ist. Es macht den Leuten bewusster, dass sie rauchen und es ist auch sozialer, wenn alle gemeinsam draußen stehen und qualmen. Das schlimmste, als ich aufgehört habe zu rauchen, war, dass ich nicht wusste, wohin mit meinen Händen. Weil man mit ´ner Kippe in der Hand immer so rumgestikuliert und so… aber ich brauche keine verdammte Zigarette, ich habe einen Kugelschreiber! Außerdem glaube ich, dass die Zigaretten-Industrie heute mehr Suchstoffe in die Kippen packt, als früher. Denn es war für mich viel einfacher aufzuhören, als für einige meiner Freunde. Die sind einfach abhängig – und die wollen´s auch nicht anders! Aber hey, ich rauche schließlich Tabak mit Hasch…also schlag mich auch ans Kreuz!

Dann taucht plötzlich ein Bilderbuchgroupie auf und bittet Paul um ein Autogramm. (Kicher, Kicher…) Ich lasse die beiden alleine und bringe meinen Kram zum Auto. Als ich wiederkomme, scheint Paul nicht mehr wirklich angetan zu sein und bittet mich, ihn vor diesem Weib zu retten. (noch mehr Gekicher…) Die verzieht sich dann aber freiwillig und lässt zu allgemeinen Freude sogar ihr Bier stehen… War jedenfalls ein wirklich nettes Gespräch mit Paul und wenn die McKenzies mal wieder im Lande sein sollten, werden wir das auf jeden Fall fortführen! - Siggi

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